• 1826

     

    Erstes erhaltene Foto

    von Joseph Nicéphore Nièpce

  • 1835

    Talbotypie

    erfunden von William Henry Fox Talbot

     

    1835

  • 1835-39

     

    Daguerreotypie

    erfunden von Louis Jacques Mandé Daguerre

  • 1851

    Kollodium-Nassplatte

    erfunden von Frederick Scott Archer

     

    1851

  • 1885/89

     

    fotografischer Film

    erfunden von George Eastman

Gerade mal 25 Jahre nach dem ersten (erhaltenen) Foto von Joseph Nicéphore Nièpce war das Kollodium-Nassplatten-Verfahren bei weitem nicht das erste Verfahren, mit dem sich Portraits erstellen ließen, wohl aber das populärste Verfahren vor dem fotografischen Film, so wie wir ihn heute kennen — sowohl was die Dauer der Periode als auch die Zahl der Kunden anging.

Zwar gab es ab den 1840er Jahren dramatische Veränderungen in den Belichtungszeiten der damals populären, aber sehr langsamen Daguerreotypien durch neue, lichtstarke Objektive und Verbesserung in der Chemie, aber alle Verfahren erstellten entweder nur Positive (=Unikate) oder Negative schlechter Qualität (Talbotypien).

Die 1850/51 von Frederick Scott Archer erfundene Kollodium-Nassplattentechnik änderte dies dramatisch. Belichtungszeiten waren signifikant kürzer, die Herstellung bedeutend günstiger (Glas statt versilberte Platten), weniger giftig (Daguerrotypien erforderten Quecksilber) und man hatte die Wahl zwischen Positiv-Unikaten oder hochwertigen Negativen auf Glasplatte.

Gerade die kürzeren Belichtungszeiten und die günstigeren Preise bedeuteten den Dammbruch in der Portraitfotografie, da das eigene Bild für viele nun endlich erschwinglich wurde. Zuvor kosteten Fotos so viel wie das Jahresgehalt eines Arbeiters. Kollodium-Nassplatten hatten aber auch einen dramatischen Nachteil: Wie der Name schon suggeriert, muss die Platte während des Prozesses nass sein. Das bedeutet, dass man — je nach Witterung — von dem Moment des Begießens mit Kollodium über das Sensibilisieren und der Fotografie an sich bis hin zur Entwicklung ein Zeitfenster von 8-10 Minuten hatte. Es ließen sich also keine Platten vorbereiten und die Dunkelkammer durfte nie weit vom Ort der Fotografie entfernt sein. Der amerikanische Bürgerkrieg wurde daher auch mit Pferdekarren fotografiert, damit der Nassplattenfotograf direkt vor Ort seine Platten beschichten und entwickeln konnte.

Trotzdem wurde die Nassplatte im großen Stil erst durch den von George Eastman 1885/89 entwickelten fotografischen Film abgelöst. Zwar gab es zwischenzeitlich auch ein Trockenplattenverfahren, doch hat sich dieses auf Grund der höheren Preise bei den Ateliers nie wirklich durchgesetzt, zumal dort auch die Nachteile durch schweres Equipment und eine mobile Dunkelkammer nicht zum Tragen kamen.

Insbesondere die Ferrotypien waren ab 1855 bis noch in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts als preiswerte Jahrmarktsfotografie extrem beliebt.

Wann genau die Renaissance des Verfahrens begann, ist nicht wirklich festzustellen. Ähnlich der Craft Beer Welle begann sie schätzungsweise in den 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts in den USA bevor sie langsam nach Europa kam. Verstärkt wird diese Neubelebung auf jeden Fall durch den digitalen Trend, der bei vielen die Sehnsucht nach dem einen Unikat statt der digitalen Masse weckt und wo der handwerkliche Akt des Fotografierens, diesmal aber auch als künstlerischer Akt, wieder mit in den Mittelpunkt rückt. Bewusstsein statt schneller Genuss ohne Nachhaltigkeit.

Es haben sich in der Nassplattenfotografie zwei klassische Wege durchgesetzt, wobei es natürlich auch Sonderformen gibt. Prinzipiell kann jede Oberfläche, auf der Kollodium haftet und die nicht mit dem Silberbad reagiert, als Bildträger genutzt werden. Es gibt Künstler, die z.B. direkt auf Halbedelsteine fotografieren und diese als Schmuckstück verkaufen. Die klassischen Trägermedien sind hingegen Glas und geschwärztes Metall (früher Eisen, heute Aluminium).

Bei der Fotografie auf Glas wird ein Negativ erzeugt, das früher im Kontaktverfahren oder heute auch mit dem Vergrößerer als Positiv beliebig oft abgezogen werden konnte — es diente also quasi als Rohform genau wie das Filmnegativ. Belichtete und entwickelte man die Glasplatte allerdings nur knapp, bekam man noch immer ein (relativ schwaches) Negativbild. Sobald man dies aber mit einem schwarzen Papier oder Samt hinterlegte, erhielt das Bild eine positive Wirkung (Scheinpositiv). Durch diesen Effekt nach dem Dunkelfeldprinzip hatte man ein echtes Unikat.