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Es muss nicht immer scharf sein – Weichzeichner Teil 1: Objektive

Einführung

(Über-)scharfe Bilder gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Aus modernen Objektivkonstruktionen wird das letzte Quäntchen Auflösung herausgequetscht, und wo die Optik allein nicht genügt, greifen digitale Korrekturen ein. Gerade beim Smartphone wird das Bild teilweise schon während des Speicherns analysiert, optimiert und nachgeschärft.

Technisch ist das beeindruckend. Fotografisch muss man diesen Weg trotzdem nicht immer mitgehen.

Vielleicht ist es deshalb Zeit für eine kleine weiche Revolution. Nicht nur, um aus der endlosen Flut ähnlich klarer und perfekter Bilder herauszustechen, sondern weil eine weichere Abbildung einen vollkommen anderen Eindruck erzeugen kann. Sie kann schmeicheln, Licht stärker zum Bestandteil des Bildes machen und Fotografien etwas Verträumtes oder sogar Malerisches verleihen.

Dabei sollten Softfocus- beziehungsweise Weichzeichnerbilder nicht mit unscharfen Bildern verwechselt werden. Ein falsch fokussiertes Bild ist schlicht unscharf. Bei einem guten Weichzeichner kann dagegen ein erkennbarer Schärfekern erhalten bleiben, der von weicheren oder überstrahlenden Bildanteilen überlagert wird. Das Auge findet weiterhin Halt, während Konturen und besonders helle Bereiche anders wiedergegeben werden.

Allerdings ist „weich“ ein ähnlich unpräziser Begriff wie „scharf“. Ein Objektiv kann durch sphärische Aberration einen Glow um helle Konturen erzeugen. Ein anderes überlagert ein klareres Grundbild mit diffuseren Bildanteilen. Manche einfachen Linsenkonstruktionen sind tatsächlich insgesamt weniger scharf, entwickeln dabei aber einen Charakter, den eine moderne, hochkorrigierte Optik kaum freiwillig zeigen würde. Wieder andere Objektive verändern ihre Abbildung abhängig von der Blende oder besitzen sogar einen eigenen Mechanismus, mit dem sich die Stärke des Softfocus-Effekts steuern lässt.

Es gibt deshalb nicht den einen Weichzeichner-Look.

Fujifilm GFX50R & Minolta Varisoft

Natürlich können Photoshop und andere Bildbearbeitungsprogramme ein Foto ebenfalls weicher erscheinen lassen. Die interessantere Frage ist für mich allerdings nicht, ob sich Unschärfe digital erzeugen lässt. Selbstverständlich lässt sie sich erzeugen. Spannender wird es bei der Wechselwirkung zwischen Optik, Licht, Kontrast und Motiv, denn ein Weichzeichner-Objektiv oder ein entsprechender Filter verändert das Licht, bevor die Aufnahme überhaupt existiert.

Ein heller Reflex kann dadurch wesentlich stärker überstrahlen als eine dunkle Fläche direkt daneben. Gegenlicht reagiert anders als weiches Studiolicht, kleine Spitzlichter können vollkommen neue Strukturen entwickeln und ein unscharfer Hintergrund verändert sich möglicherweise auf eine andere Weise als das eigentliche Motiv. Der Effekt wird nicht nachträglich auf fertige Pixel angewandt, sondern ist Bestandteil der optischen Abbildung.

Dafür legt man sich natürlich fest. Ein mit einem Weichzeichner-Objektiv aufgenommenes Bild wird weich bleiben. In Photoshop ist eine Ebene schnell wieder ausgeblendet. Bei der Aufnahme mit einer speziellen Optik oder einem Filter ist der Look dagegen bereits im Sucher beziehungsweise auf dem Display sichtbar und wird damit Teil der fotografischen Entscheidung.

Für mich ist das eher Vor- als Nachteil. Ich muss nicht später vor dem Rechner überlegen, welche von zehn möglichen Bearbeitungen mir vielleicht gefallen könnte, sondern sehe die Wirkung während der Aufnahme, reagiere darauf und kann Licht, Hintergrund und Bildaufbau entsprechend verändern. Aus einem Effekt wird damit ein Teil des Fotografierens.

Grundsätzlich gibt es zwei klassische Wege zu einer solchen Abbildung: spezielle Weichzeichner-Objektive und Filter, die vor ein normales Objektiv gesetzt werden. Daneben existiert eine dritte, weniger klar abgegrenzte Gruppe aus Objektiven, die nie ausdrücklich als Softfocus-Linsen entwickelt wurden, offenblendig aber so stark zu Überstrahlungen, sphärischer Aberration oder allgemein weicherer Abbildung neigen, dass auch sie einen ausgesprochen verträumten Look erzeugen können.

Gerade diese dritte Gruppe ist für Altglas-Freunde interessant. Dezidierte Weichzeichner-Objektive wurden teilweise nur in kleinen Stückzahlen gebaut und erreichen heute entsprechend hohe Preise. Ein altes, optisch weniger perfekt korrigiertes Objektiv bekommt man dagegen mit etwas Glück für einen Bruchteil davon. Der Effekt ist nicht derselbe, aber manchmal ist genau das vollkommen egal, wenn am Ende das passende Bild entsteht.

Inhalt dieses ersten Teils

Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels wurde im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Deshalb habe ich das Thema inzwischen auf zwei Beiträge aufgeteilt. In diesem ersten Teil geht es um Weichzeichner-Objektive und andere Optiken mit einer von sich aus weichen oder überstrahlenden Abbildung. In Teil 2 beschäftige ich mich ausführlich mit Filtern.

Dabei geht es mir nicht darum, eine vollständige Liste aller jemals gebauten Softfocus-Objektive zusammenzustellen. Dafür ist das Thema viel zu umfangreich, und gerade für Mittel- und Großformat existieren weitere Konstruktionen, die hier gar nicht auftauchen. Mich interessieren vor allem Objektive, die sich heute sinnvoll an Digitalkameras einsetzen oder adaptieren lassen und deren Bildwirkung sich praktisch vergleichen lässt.

Die Liste ist trotzdem nicht abgeschlossen. Seit der ersten Veröffentlichung sind durch Hinweise aus Foren, Kommentare und eigene Neugier immer wieder neue Objektive hinzugekommen. Das eine oder andere Exemplar wird deshalb vermutlich auch in Zukunft noch seinen Weg in diesen Artikel finden.

Das Licht nicht vergessen

Bei allen Vergleichen darf man einen entscheidenden Faktor nicht vergessen: das Licht. Der Effekt eines Weichzeichners existiert nicht vollkommen unabhängig vom Motiv und lässt sich deshalb auch nur bedingt anhand einer einzigen Testszene beurteilen.

Besonders Gegenlicht, Reflexe und andere helle Bildbereiche können den Softfocus-Eindruck erheblich verstärken. Eine Lichtquelle im Bild liefert der Optik gewissermaßen das Material, aus dem sie Überstrahlungen und Glow erzeugen kann. Genau deshalb habe ich bei den Testbildern jeweils eine Aufnahme mit sichtbarem Blitz im Bild und eine Variante ohne Blitz fotografiert.

Fujifilm GFX100S & Minolta Varisoft

Auch der Hintergrund spielt eine wesentliche Rolle. Feine Lichtpunkte können bei manchen Objektiven in weichen Flächen verschwimmen, bei anderen ungewöhnliche Bokeh-Strukturen zeigen oder sogar die mechanische beziehungsweise optische Konstruktion des Weichzeichners sichtbar werden lassen. Das Imagon mit seinen Siebblenden ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel.

Entsprechend darf man aus einem einzelnen Testbild auch keine allgemeingültige Rangliste ableiten. Im Studio und etwas abgeblendet kann ein Effekt, der draußen bei offener Blende bereits viel zu stark erscheint, plötzlich erstaunlich zurückhaltend wirken. Umgekehrt kann eine zusätzliche Lichtquelle ein vermeintlich dezentes Objektiv in einen ziemlich radikalen Weichzeichner verwandeln.

Genau deshalb sind die Bilder in diesem Artikel vor allem Vergleichsmaterial. Am Ende muss man mit solchen Optiken fotografieren und lernen, worauf das jeweilige Objektiv reagiert.

Download der Beispielbilder

Alle Testbilder mit dem Puppenkopf können in voller Auflösung und in Farbe vom Server heruntergeladen werden. Dort lassen sich Farbsäume, Kantenverschiebungen und feinere Unterschiede erheblich besser beurteilen als in den verkleinerten Schwarz-Weiß-Abbildungen dieses Artikels. Natürlich kann man die Dateien auch selbst nach dem eigenen Geschmack in Schwarz-Weiß konvertieren.

Gerade bei Weichzeichnern halte ich den Blick auf die Vollauflösung für sinnvoll. Ein Bild, das in Webgröße lediglich angenehm soft erscheint, kann bei genauerer Betrachtung noch einen erstaunlich klaren Schärfekern besitzen. Umgekehrt entpuppt sich manche vermeintlich romantische Weichzeichnung bei 100 Prozent schlicht als ziemlich umfassende Unschärfe.

Fujifilm GFX100S und Minolta Varisoft

Wer es einmal in Photoshop versuchen möchte

In Foren kam erwartungsgemäß immer wieder die Bemerkung auf, all diese Effekte ließen sich mit Photoshop viel einfacher erzeugen. Der beispielhafte Weg zu einem wirklich vergleichbaren Ergebnis wurde dann allerdings eher selten gezeigt.

Deshalb gibt es auch dafür Testmaterial. Wer sich daran versuchen möchte, einen der hier oder im zweiten Teil gezeigten Effekte möglichst genau digital nachzubauen und bereit ist, Ergebnis und Arbeitsweg mit anderen zu teilen, kann die RAW-Datei des Vergleichsbildes aus der Filter-Testreihe herunterladen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um die Grundsatzfrage „analog gut, Photoshop böse“. Mich interessiert vielmehr, wie nah man den unterschiedlichen optischen Wirkungen tatsächlich kommt. Ein global weicheres Bild ist schnell erzeugt. Einen klaren Schärfekern, Überstrahlungen an bestimmten Kontrastkanten und eine vom vorhandenen Licht abhängige Verteilung des Glows überzeugend nachzubilden, ist eine wesentlich interessantere Aufgabe.

Ich bin ausgesprochen neugierig auf die Ergebnisse.

Verwendete Kameras

Wie bei meinen anderen Aufnahmen mit Altglas – seien es klassische Kleinbildobjektive, Projektionsobjektive oder Linsen aus alten Faltkameras – benutze ich dafür in erster Linie die Fujifilm GFX100S. Warum ich die GFX100-Reihe für ausgesprochen gut geeignet halte, wenn man alte Objektive ausprobieren und adaptieren möchte, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben.

Entsprechend sind auch die meisten Beispielaufnahmen in diesem Artikel mit der GFX100S entstanden. Der große Sensor ist dabei nicht nur ein Vorteil. Manche Objektive leuchten ihn nicht vollständig aus oder zeigen an den Rändern Eigenheiten, die auf Kleinbild niemals sichtbar würden. Gerade bei ungewöhnlichen Optiken finde ich aber auch das interessant. Man sieht gewissermaßen mehr von dem, was die Konstruktion tut.

Im Laufe der Zeit erreichten mich allerdings immer wieder Zuschriften mit der Frage, ob sich der Charakter dieser Objektive auch an APS-C-Kameras erhalten würde. Deshalb habe ich für ausgewählte Linsen zusätzliche Vergleichsbilder mit der Fujifilm X-T5 aufgenommen. Diese Bilder finden sich ebenfalls in voller Auflösung auf dem Server und tragen „XT5“ im Dateinamen.

Der Vergleich ist durchaus spannend. 40 Megapixel auf einem APS-C-Sensor stellen eine alte Objektivkonstruktion auf andere Weise auf die Probe als der große Sensor der GFX. Gleichzeitig nutzt die X-T5 nur einen kleineren Bereich des Bildkreises und blendet damit manche Randprobleme praktisch aus. Ein Objektiv, das an der GFX einen wunderbaren Charakter zeigt, muss deshalb an APS-C nicht automatisch ebenso überzeugen – und umgekehrt.

Damit genug der Vorrede. Schauen wir uns an, wie unterschiedlich Objektivhersteller im Laufe der Jahrzehnte versucht haben, ausgerechnet das kontrolliert einzusetzen, was die optische Entwicklung ansonsten mit erheblichem Aufwand zu beseitigen versucht: Abbildungsfehler.

Weichzeichner Objektive

Canon EF Softfocus 135/2.8

Dezidierte Weichzeichner-Objektive gab es im Kleinbild-Bereich nur vergleichsweise wenige. Die wenigen von den namhaften Herstellern erreichen auch heute noch stolze Preise. Auf YouTube bin ich vor allem auf das Canon EF Softfocus 135/2.8 gestoßen. Einen großen Vorteil bietet dieses Objektiv auf jeden Fall: Autofokus macht das Scharfstellen auch weichgezeichneter Bilder deutlich bequemer.

Das Canon erschien bereits 1987 und damit praktisch zum Start des damals noch jungen EOS-Systems. Es ist schon eine etwas kuriose Kombination: Canon verband den gerade eingeführten Autofokus mit einer Aufnahmetechnik, deren Wurzeln weit in die Geschichte der Portraitfotografie zurückreichen. Für den Weichzeichnereffekt wird gezielt sphärische Aberration erzeugt. Ein asphärisches Element innerhalb der Optik wird bewegt und verändert damit die Abbildung, wobei Canon die Konstruktion so auslegte, dass sich der Charakter des Effekts bei unterschiedlichen Aufnahmeentfernungen nicht völlig verschiebt. Der Autofokus ist hier also nicht nur Bequemlichkeit, sondern hilft tatsächlich dabei, trotz des überlagerten Glows einen präzisen Schärfekern zu setzen.

Dank des Fringer-Adapters lässt sich das Objektiv nicht nur in der Canon-, sondern auch in der Fuji-Welt problemlos mit Autofokus nutzen. Das Objektiv bietet die Möglichkeit, den Weichzeichnungseffekt in zwei Stufen zu steuern; zudem kann man den Effekt ganz ausschalten und bekommt eine knackscharfe Linse. Auf dem Papier ist das ein bemerkenswerter Spagat zwischen normalem Teleobjektiv und Spezialoptik. Auf den ersten Blick sehen auch die Weichzeichnungsstufen ganz gut aus – wenn man bei Instagram-Auflösung bleibt und/oder keine Vergleichsobjektive kennt.

Sobald man das nächste Objektiv vor die Kamera schraubt, wird einem der Unterschied recht deutlich.

Stufe 0 kann auf dem Server begutachtet werden.

Canon EF Softfocus 135/2.8 auf Stufe 1 ohne Blitz

Canon EF Softfocus 135/2.8 auf Stufe 1 mit Blitz

Canon EF Softfocus 135/2.8 auf Stufe 2 ohne Blitz

Canon EF Softfocus 135/2.8 auf Stufe 2 ohne Blitz

Canon SF Lens FD 85/2.8

Das Canon EF war nicht die erste Softfocus-Linse der Firma. Schon im Februar 1983 brachte Canon für den FD-Mount das New FD 85/2.8 Soft Focus auf den Markt. Mit einem damaligen Listenpreis von 115.000 Yen war es keineswegs als billige Spielerei gedacht, sondern eine ziemlich aufwendige Spezialoptik aus sechs Elementen in vier Gruppen und mit neun Blendenlamellen.

Interessant ist vor allem, wie Canon den Effekt technisch löste. Durch eine Veränderung des Abstands zwischen vorderer und hinterer Linsengruppe wird gezielt sphärische Aberration erzeugt. Der Softfocus-Ring ist dabei mit der Fokussiermechanik kombiniert: Zunächst wird in der normalen Stellung scharfgestellt, anschließend lässt sich der Ring linear verschieben und damit die Weichzeichnung erhöhen. Canon umging damit eines der klassischen Probleme solcher Objektive, denn je stärker der Glow wird, desto schwieriger lässt sich im Sucher beurteilen, wo die eigentliche Schärfe liegt.

Von den Ergebnissen her macht das ältere FD-Objektiv für mich eine deutlich bessere Figur als das spätere EF. Wie beim noch folgenden Minolta haben die Bilder weiterhin einen scharfen Grundkern und neigen weniger zum Matsch. Allerdings empfinde ich den FD-Mount als derartig lästig, dass das Objektiv allein schon deswegen kaum in meine engere Wahl kommen würde, wenn man nicht für jedes einzelne FD-Objektiv einen eigenen Adapter kaufen möchte.

Stufe 0 und Stufe 3 können auf dem Server angeschaut werden.

Canon SF Lens FD 85/2.8 auf Stufe 1 ohne Blitz

Canon SF Lens FD 85/2.8 auf Stufe 1 ohne Blitz

Canon SF Lens FD 85/2.8 auf Stufe 2 ohne Blitz

Canon SF Lens FD 85/2.8 auf Stufe 2 mit Blitz

Kenko 85/2.5

Das Kenko ist eine vergleichsweise seltene Linse und gehört zu einer kleinen, heute ziemlich obskuren Familie dezidierter Softfocus-Objektive des Herstellers. Neben dem 85/2.5 gab es zumindest noch ein 45/4.5 und ein 35/4. Schon die optische Konstruktion zeigt, dass Kenko einen völlig anderen Weg als Canon oder Minolta ging: Das 85er ist ein sehr einfacher Dreilinser, dessen optische Fehler nicht möglichst vollständig korrigiert, sondern für den gewünschten Look genutzt werden.

Wie beim SMC Pentax wird die Stärke des Effekts allein über die Blendenöffnung gesteuert. Offen dürfen die stärker aberrierten Randstrahlen zur Abbildung beitragen und erzeugen den Glow; beim Abblenden werden sie zunehmend ausgesperrt und das Bild klärt sich auf. Einen zusätzlichen Ring oder eine Verschiebung von Linsengruppen, mit der sich die sphärische Aberration unabhängig von der Blende steuern ließe, gibt es nicht. Blende und Weichzeichnung sind also untrennbar miteinander verbunden.

Angesichts dessen, dass es gute Softfocus-Objektive mit Abstufungen innerhalb eines Blendenbereichs gibt und man ansonsten noch immer entsprechende Filter nehmen kann, machen Objektive wie das Kenko in meinen Augen vor allem für Sammler Sinn oder wenn man es wirklich günstig bekommen kann. Was angesichts der Seltenheit eher unwahrscheinlich ist.

Kenko 85/2.5 @f2.5 ohne Blitz

Kenko 85/2.5 @f2.5 mit Blitz

Kenko 85/2.5 @f3.2 ohne Blitz

Kenko 85/2.5 @f3.2 mit Blitz

Kodak Vest Pocket

Die Vest Pocket Kodak hätte ich ursprünglich beinahe nur als kleinen Geheimtipp am Ende dieses Artikels erwähnt. Nach etwas tieferer Beschäftigung mit den beiden folgenden Kiyohara-Objektiven wäre das allerdings eine ziemlich grobe Missachtung ihrer fotografischen Bedeutung. Denn ausgerechnet die einfache Optik einer kleinen Kodak-Faltkamera wurde in Japan zum Ausgangspunkt einer eigenen Softfocus-Tradition.

Kodak brachte die Vest Pocket Kodak bereits 1912 auf den Markt. Die kompakte Faltkamera verwendete 127er Rollfilm und wurde in zahlreichen Varianten und mit unterschiedlichen Objektiven angeboten. Für die Geschichte des Weichzeichners sind deshalb ausdrücklich nicht alle Vest-Pocket-Kodaks interessant, sondern die einfachen Versionen mit dem Achromat- beziehungsweise Meniskusobjektiv aus zwei miteinander verkitteten Linsen.

Bei diesen Objektiven begrenzte eine schalenförmige Metallfassung vor der Linse die wirksame Öffnung und damit zugleich die Auswirkungen der sphärischen Aberration. Japanische Fotografen kamen auf die Idee, diese Fassung zu entfernen. Das Objektiv wurde dadurch effektiv lichtstärker, vor allem aber durften erheblich stärker aberrierte Strahlen zur Abbildung beitragen. Aus einem technisch äußerst einfachen Kameraobjektiv wurde ein erstaunlich wirkungsvoller Weichzeichner.

In Japan entwickelte sich daraus die als „Besu-tan fūdo hazushi“ bekannte Aufnahmetechnik. Der Begriff bezieht sich auf die Vest Pocket Kodak beziehungsweise ihre einfache Ein-Gruppen-Konstruktion und das Entfernen der vorderen Fassung. Besonders bemerkenswert ist, dass hier kein Hersteller einen optischen Fehler als kreativen Effekt plante. Fotografen entdeckten eine Eigenheit eines vorhandenen Objektivs und machten daraus bewusst ein Stilmittel.

Als 127er Film zunehmend schwieriger zu bekommen war, wurden die Objektive alter Vest-Pocket-Kodaks teilweise aus den Kameras ausgebaut und an Mittel- oder Kleinbildkameras adaptiert. Im Grunde machten japanische Fotografen damit schon vor Jahrzehnten genau das, was Altglas-Liebhaber heute mit Projektionsobjektiven, Faltkameralinsen und selbst gebauten Helicoid-Adaptern treiben.

Mein Objektiv stammt aus einer Kodak Vest Pocket Model B. An der GFX macht die kleine Optik zwar zunächst eine etwas kuriose Figur, leuchtet den Mittelformatsensor aber vollständig aus. Schon ohne die klassische japanische Modifikation zeigt sich eine zarte Weichheit in der Abbildung.

Viel interessanter wird die Kodak allerdings durch ihre historische Verbindung zu den beiden folgenden Objektiven. Als das Adaptieren alter Vest-Pocket-Kodak-Linsen zunehmend umständlich wurde, griff Kiyohara Kogaku genau diese japanische Softfocus-Tradition auf. Das Kiyohara Soft VK70R sollte den Look des „Besu-tan fūdo hazushi“ mit einem eigens dafür gebauten Wechselobjektiv ermöglichen.

Die Kodak ist damit streng genommen nicht nur ein weiterer Weichzeichner in dieser Liste. Sie ist die Urgroßmutter der beiden folgenden Objektive.

Kodak Vest Pocket ohne Blitz

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8

Sobald man das Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 an der Kamera hat, sieht man sofort, dass es um Welten vor dem Canon EF liegt. Minolta brachte das Varisoft 1978 als erstes eigenes Softfocus-Objektiv für das SR-System auf den Markt und konstruierte hier keineswegs einfach nur ein etwas schlechter korrigiertes Portraitobjektiv.

Hinter dem zusätzlichen Einstellring steckt vielmehr eine erstaunlich raffinierte Lösung. Durch die Veränderung eines Luftabstands im hinteren Teil der Optik wird gezielt sphärische Aberration erzeugt. In Stellung 0 wird sie möglichst weit korrigiert, bis Stufe 3 nimmt sie immer stärker zu; der Effekt lässt sich zwischen den Rastpunkten sogar kontinuierlich einstellen. Minolta verändert damit tatsächlich die optische Rechnung des Objektivs während der Aufnahme. Für das zugrunde liegende Prinzip wurden in den 1970er Jahren mehrere Patente angemeldet.

Wie beim Canon gibt es also mehrere Stufen des Weichzeichner-Effekts und die Möglichkeit, ihn ganz auszuschalten, um eine knackscharfe Linse zu erhalten. Aber die soften Bilder sind eine andere Liga als beim Canon. Während das EF im Vergleich eher matschig wirkt, ist beim Minolta in der Unschärfe noch deutlich der scharfe Kern zu sehen. Genau dieser Unterschied lässt sich auch technisch ganz gut erklären: Das Varisoft ist nicht einfach eine normale Optik mit eingebautem Effektfilter, sondern wurde von Grund auf um die kontrollierte Erzeugung sphärischer Aberration herum konstruiert.

Bei Digitalkameras würde ich offenblendig draußen persönlich nur bei Stufe 1 bleiben, aber wie alles im Leben ist auch das Geschmackssache. Zum besseren Vergleich finden sich auf dem Server alle Bilder in Vollauflösung. Im Studio kann es dagegen durchaus passieren, dass einem etwas abgeblendet selbst Stufe 3 noch nicht ausreicht.

Von Minolta gibt es übrigens auch noch ein AF-Weichzeichner, das AF 100/2.8 Soft, das ich mangels sinnvoller Adaptierungsmöglichkeit aber nicht getestet habe.

Auch hier kann Stufe 0 auf dem Server begutachtet werden.

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 auf Stufe 1 ohne Blitz

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 auf Stufe 1 mit Blitz

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 auf Stufe 2 ohne Blitz

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 auf Stufe 2 mit Blitz

An der Fujifilm X-T5

Auch beim Minolta lässt sich das Problem mancher Linsen beobachten: Während an den 100 MP des Mittelformatsensors (bzw. 60 MP im Vollformat-Cropmodus) einer Fujifilm GFX nahezu jedes Altglas geht, kommt viele Objektive bei den 40 MP auf APS-C Größe ins Straucheln. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Tests immer komplett offenblendig sind. Mit Nachschärfen und etwas kleinerer Blende könnte das Objektiv noch gerade so brauchbar sein, aber wäre für mich eher ein Kompromiss auf Krampf als wirkliche Qualität.

Kleinere Blende würde auch weniger Weichzeichnung bedeuten, was bei diesem Objektiv an der X-T5 durchaus positiv wäre, denn schon Stufe 1 kommt recht heftig daher.

Die noch stärkeren Stufen 2 und 3 können auf dem Server begutachtet werden.

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 0

Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 1

Rodenstock Imagon

Das Rodenstock Imagon ist nicht einfach irgendein altes Weichzeichner-Objektiv, sondern einer der großen Klassiker dieser Objektivgattung. Seine Geschichte führt zurück in die Zeit des Piktorialismus und zum österreichischen Fotografen Heinrich Kühn, der nach einer weichen, malerischen Abbildung suchte, ohne einfach nur unscharfe Fotografien zu produzieren. Nach seinen Anregungen entwickelte Franz Staeble eine entsprechende optische Konstruktion. Aus dem zunächst als Anachromat Kühn bezeichneten Objektiv entstand schließlich das von Rodenstock ab 1931 angebotene Imagon.

Das Grundprinzip blieb über Jahrzehnte erstaunlich unverändert. Im Kern handelt es sich um einen Achromaten aus zwei verkitteten Linsen, bei dem die sphärische Aberration bewusst unkorrigiert bleibt. Wie stark diese zum Bild beiträgt, wird mit verschiedenen Siebblenden gesteuert, die selbst noch einmal drehbar sind. Die zentrale Öffnung erzeugt den schärferen Bildkern, während durch die konzentrisch angeordneten Randöffnungen weichere Strahlen hinzugemischt werden. Man verändert mit den Siebblenden also tatsächlich das Verhältnis zwischen scharfer und diffuser Abbildung.

Ohne die Siebblenden wirken die Bilder schon sehr weich, fast gemalt. Mit ihnen lässt sich der Effekt sehr gut steuern, allerdings sollte man auf den Hintergrund achten. Wenn die Blenden offen sind, lässt sich an den Gegenlicht-Bubbles sehr gut die Siebstruktur erkennen, die sogenannte „Kühn-Wanze“, wie Alfons Scholz sie in „Lichtbilder mit dem Imagon“ nennt. Ob man das mag, muss jede:r selbst entscheiden.

5.8 ist immer offen, die Stufen lassen sich offen und geschlossen einlegen. So ist 7.7 auf der 5.8er Scheibe geschlossen und die Wanze erscheint nicht. Legt man dagegen die 7.7–9.5-Scheibe ein, ist die Siebstruktur bei 7.7 offen und man hat in den Lichtpunkten wieder diesen Wanzen-Effekt. Etwas Ausprobieren und ein Gefühl für die unterschiedlichen Wirkungen ist hier angesagt.

Auf jeden Fall zeigen sich weniger Kantenverschiebungen beim Imagon als beim Minolta und bei den Softar-Filtern. Das ist keineswegs besser oder schlechter, sondern schlicht ein anderer Look, der in jedem Fall so gelungen ist, dass Weichzeichner-Freunde sowohl dieses als auch das Minolta im Auge haben sollten. Zudem konzentriert sich die Weichzeichnung beim Imagon insbesondere auf die Ränder des Bildes und weniger stark auf die Mitte.

Rodenstock produzierte das Imagon in verschiedenen Brennweiten und für unterschiedliche Aufnahmeformate bis in die 1990er Jahre. Eine erstaunliche Lebensdauer für eine optische Konstruktion, deren ausdrücklicher Zweck darin bestand, einen Abbildungsfehler nicht zu beseitigen. Durch die Siebblenden bildet mein Exemplar allerdings nicht auf dem vollen Mittelformatsensor der GFX ab, weshalb hier deutliche Vignettierungen zu sehen sind.

Die gesamte Reihe kann auf dem Server begutachtet werden.

Rodenstock Imagon ohne Blende

Rodenstock Imagon mit der ersten Blende auf 5.8 eingestellt

Rodenstock Imagon mit der ersten Blende auf 7.7 eingestellt – die Bubbles sehen „normaler“ aus.

Rodenstock Imagon mit der dritten Blende auf das Maximum von 11.5 eingestellt.

SMC Pentax Soft 85/2.2

Nach der ersten Veröffentlichung dieses Blogartikels wurde ich im Digicamclub-Forum noch auf das SMC Pentax Soft 85/2.2 hingewiesen. Da die Neugier geweckt war, gab es bald Post aus Japan …

Pentax ging bei diesem Objektiv einen deutlich einfacheren Weg als Minolta. Es gibt keinen zusätzlichen Mechanismus, der Linsengruppen gegeneinander verschiebt und die sphärische Aberration separat steuert. Stattdessen ist die optische Konstruktion von vornherein auf einen starken Softfocus-Effekt bei großer Öffnung ausgelegt. Die Blende übernimmt damit eine Doppelrolle: Sie regelt nicht nur Lichtmenge und Schärfentiefe, sondern ist gleichzeitig der eigentliche Effektregler.

Das erklärt auch den auffälligen Keil auf dem Objektiv. Zwar finden sich darunter ebenfalls die normalen Blendenwerte, an der Kamera montiert fällt der Blick aber eher auf diese Skala, die angibt, wie stark der Softfocus-Effekt zur Geltung kommt. Je weiter die Blende geöffnet wird, desto stärker dürfen die Randstrahlen und damit die bewusst stehen gelassenen Abbildungsfehler zum Bild beitragen. Beim Abblenden werden diese zunehmend ausgesperrt und das Bild klärt sich auf.

Allerdings macht sich bei Lichtquellen im Bild dann auch gleich die geringe Anzahl an Blendenlamellen bemerkbar. Sowohl das Minolta Varisoft als auch das Imagon produzieren beim Wechsel des Unschärfe-Effekts nicht so unschöne, unrunde Lichtbubbles wie das Pentax. Auch fällt auf, dass der Effekt zu den Rändern hin deutlich zunimmt. Zwar sieht man an der Positionierung des Puppenkopfes, dass auch abseits des Zentrums ein Scharfstellen möglich ist, es wirkt aber unausgewogen. Das Objektiv scheint sich mehr für mittige Platzierungen zu eignen.

Im Gegensatz zum noch folgenden Dreamagon würde ich dem Pentax aber noch Chancen beim weiteren Experimentieren geben. Es scheint sich um ein Objektiv zu handeln, das am Digitalsensor eher die Nische in der Nische besetzt, aber Bilder wie gemalt produzieren kann. Dass kleinere Blendenöffnungen als f5.6 gar nicht möglich sind, passt dabei durchaus zum Konzept: Das Pentax war nie als universelles 85er gedacht, das man bei Bedarf bis f16 oder f22 abblendet, sondern als konsequentes Spezialwerkzeug für eine überschaubare Spanne unterschiedlich starker Weichzeichnung.

SMC Pentax Soft @ f2.2

SMC Pentax Soft @ f2.2 mit Blitz

SMC Pentax Soft @ f2.8

SMC Pentax Soft @ f2.8 mit Blitz

SMC Pentax Soft @ f4

SMC Pentax Soft @ f4 mit Blitz

SMC Pentax Soft @ f5.6

SMC Pentax Soft @ f5.6 mit Blitz

Fujifilm GFX100S, SMC Pentax Soft

An der Fujifilm X-T5

Im Gegensatz zum Minolta Varisoft geht es beim Pentax mit der Schärfe. Auch treten hier natürlich nicht die Randproblematiken wie an der GFX auf. Jedoch wirkt es bei den beiden offenblendigen Stufen eher wie ein extremer Nebeleffekt als Weichzeichner, was natürlich auch seinen eigenen Charme hat. Ich habe die „Nebel“-Variante bei f2.2 hier im Beispiel ausnahmsweise mal tatsächlich etwas bearbeitet, während sonst alle Bilder immer unbearbeitet out of cam sind, damit man sieht, dass man damit – je nach Geschmack(!) – durchaus mit arbeiten könnte.

Die Blenden f2.8 und f4 können auf dem Server begutachtet werden.

SMC Pentax Soft @ f2.2 (bearbeitet!) an der Fujifilm X-T5

SMC Pentax Soft @ f5.6 an der Fujifilm X-T5

Spiratone Portragon 100/4

Populäre Zeitschriften waren früher voll mit Fotografie-Gadgets und immer mehr Versandfirmen tummelten sich am Markt. Auch hierzulande boten Firmen wie Hama, Brenner und später Pearl fast alles Denkbare in unterschiedlichsten Qualitäten an. Eine der großen amerikanischen Firmen auf diesem Gebiet war Spiratone, die fast 50 Jahre am Markt war.

Hinter Spiratone stand der deutschstämmige Fred Spira, der sich in den USA einen Namen damit machte, ungewöhnliches und oft erstaunlich preiswertes Fotozubehör aus Japan zu importieren und per Versandhandel anzubieten. Das Sortiment war berühmt für Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie brauchte. Das Portragon passt ziemlich perfekt in diese Firmengeschichte.

Mit dem Spiratone Portragon 100/4 bot die Firma ein Weichzeichner-Objektiv an, das man wahrscheinlich eher als „Spielzeug“ klassifizieren könnte. Statt einer komplizierten optischen Rechnung sollte die extrem einfache Konstruktion den Charakter früher Meniskusobjektive aufgreifen. Bei solchen simplen Optiken bleibt eben nicht nur ein einzelner Abbildungsfehler stehen, sondern gleich eine ganze Sammlung davon. Genau daraus entsteht ein primitiver, aber kaum mit einem modernen Diffusionsfilter zu verwechselnder Look.

Man könnte das Portragon damit fast als eine Art Lo-Fi-Objektiv lange vor Holga und Lensbaby betrachten. Natürlich sind es etwas unfaire Bedingungen, wenn man eine solche Konstruktion an einen 100-MP-Digitalsensor adaptiert. Man sieht schon, dass man hier eher von tatsächlicher Unschärfe sprechen kann. Trotzdem besitzt das Bild einen wunderbaren Stil und ist, wenn man eben solche Bilder mag, selbst am Fujifilm-Flaggschiff noch nutzbar.

Auch heute sind diese Einlinser vor allem in den USA via eBay zu bekommen, wobei das Porto meist teurer als die Linse selbst ist.

Spiratone Portragon ohne Blitz

Spiratone Portragon mit Blitz

Fujifilm GFX100S und Spiratone Portragon

Fujifilm GFX100S und Spiratone Portragon

An der Fujifilm X-T5

Doch, doch, auch diesen Einlinser kann man durchaus an die X-T5 klemmen. Er ist noch mal eine Ecke weicher als an der GFX, aber er ist jetzt nicht unscharf oder unbrauchbar. Gemessen am Preis, kann man diese Linse durchaus seiner Sammlung hinzufügen.

Spiratone Portragon an der Fujifilm X-T5

Sima SF 100/2

Wo wir schon bei den amerikanischen Einfachstobjektiven sind: Das 1981 eingeführte Sima SF 100/2 ist eine Konstruktion, die eher wie eine DIY-Lösung aus dem Baumarkt wirkt. Zwei ineinandergesteckte Kunststoffröhren, von denen eine den T2-Mount und die andere das einzelne optische Element beinhaltet, werden gegeneinander verschoben und setzen damit den Fokus. Einen Schneckengang oder irgendeine Form der Feineinstellung gibt es nicht. Präzise fühlt sich das nicht an, aber es funktioniert.

Durch den langen Auszug taugt das Sima sogar als Makroobjektiv. Auch eine normale Irisblende fehlt. Stattdessen werden vorne Blendenplättchen eingelegt und mit einem Ring fixiert. Damit verändert man nicht nur die Lichtmenge, sondern sperrt zugleich einen Teil der besonders stark aberrierten Randstrahlen aus. Sollte man sich für das Objektiv interessieren, ist es deshalb nicht besonders schlimm, wenn nicht mehr alle Blenden beim angebotenen Exemplar dabei sind. Man kann sie einfach selbst aus schwarzem kartonstarkem Papier basteln. Der Außendurchmesser beträgt 56 mm; mit einem Innenloch von 25 mm bekommt man beispielsweise ungefähr f4, mit 18 mm f5.6. Ohne eine solche, gegebenenfalls selbst gebaute Blende ist das Objektiv kaum vernünftig nutzbar.

So improvisiert das Sima aussieht, so konsequent ist das Konzept. Es erinnert verblüffend an spätere experimentelle Objektivsysteme wie die frühen Lensbabys, nur dass es aus einer Zeit stammt, in der niemand von „Creative Lenses“ als eigener Produktkategorie sprach.

Auch beim Sima ist das Porto meist teurer als das Objektiv selbst. Von wirklicher Schärfe kann man bei diesem Einlinser kaum sprechen. Trotzdem besitzt er einen sehr eigenen, spannenden Look und war bei einem Studioshooting tatsächlich das einzige Objektiv, das genau die Abbildung brachte, die ich gesucht hatte. Technisch ist es kaum mehr als eine Linse in zwei Plastikrohren – und vielleicht erzeugt es gerade deshalb Bilder, die eine auf Perfektion gerechnete moderne Optik kaum freiwillig produzieren würde.

Sima SF 100/2 bei f5.6 ohne Blitz

Sima SF 100/2 bei f5.6 mit Blitz

Fujifilm GFX100S & Sima 100/2 @f5.6

GFX100S & Sima SF 100/2 @f5.6 (beschnitten)

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft (51A)

Eine absolute Wow-Linse und ein echter Geheimtipp. Angesichts der optischen Qualität und der Möglichkeiten verwundert es eigentlich, dass von diesem Objektiv bisher nur wenige Menschen etwas gehört haben. Es scheint aber vor allem seiner absoluten Seltenheit geschuldet zu sein.

Das Tamron ist nämlich nicht nur selten, sondern auch optikhistorisch eine ziemliche Kuriosität. Es erschien 1979 als eines der frühen Objektive des Adaptall-2-Systems und gehörte zu Tamrons hochwertiger SP-Serie. Produziert wurde das 51A nur bis 1984. Vor allem aber gilt es als das wohl einzige serienmäßig angebotene Zoomobjektiv, das ausdrücklich mit einer regelbaren Softfocus-Funktion konstruiert wurde.

Tamron kombinierte also ein durchgehend lichtstarkes 70–150mm f2.8 – schon für sich genommen ein ambitioniertes Portraitzoom jener Zeit – mit einem zusätzlichen Ring, der durch eine Veränderung innerhalb des optischen Systems gezielt sphärische Aberration erzeugt. Der Effekt verändert nicht nur den Glow um scharfe Konturen, sondern auch die Darstellung der unscharfen Bildbereiche. Im Grunde erhält man damit das Prinzip des Minolta Varisoft in einem flexiblen Zoomobjektiv.

Zum Zeitpunkt, an dem ich gerade diese Zeilen schreibe, gibt es bei eBay beispielsweise weltweit kein einziges Exemplar dieser Linse. Wenn einmal eines auftaucht, dann meist zu einem heftigen Preis, der inzwischen auch schon vierstellig sein kann. So wundervoll das Objektiv ist, so viel würde ich persönlich dafür nicht bezahlen, sondern mich lieber auf die Lauer legen. Sei es mit einer Benachrichtigung bei eBay oder auf Seiten wie Buyee, die auch japanische Auktions- und Angebotsplattformen erschließen, die von hier aus sonst nicht so einfach zu finden sind.

Nur ein kleines Wort zur Warnung: Bei Buyee kommen noch einige Kosten hinzu. Die bei japanischen Angeboten ausgewiesene Steuer ist nicht die deutsche Einfuhrumsatzsteuer; dazu können bei der Einfuhr weitere Abgaben anfallen. Auch der internationale Versand vom Buyee-Lager nach Deutschland kommt zu den innerhalb Japans ausgewiesenen Versandkosten hinzu. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man bei solchen seltenen Linsen trotzdem „Schnäppchen“ machen – zumindest im Vergleich zu bekannten Massenanbietern wie eBay.

Man kann aber verstehen, warum das Objektiv seine Liebhaber hat. Schon ohne Softfocus ist es ein wunderbares Portraitobjektiv. Nicht nur wegen des Brennweitenbereichs, der gleich mehrere klassische Portraitbrennweiten abdeckt, und der durchgehenden Lichtstärke von f2.8, sondern auch wegen seiner optischen Qualität. Der Clou ist, dass man zusätzlich den Softfocus hinzumischen kann.

Dazu kommt Tamrons Adaptall-2-System. Statt das komplette Objektiv für verschiedene Kameramarken neu zu bauen, wurde lediglich der rückwärtige Anschluss gewechselt. Mein Exemplar hatte beispielsweise einen Adaptall-2-Adapter auf Minolta MD. Das 51A ist damit gleich in mehrfacher Hinsicht ein Kind einer experimentierfreudigen Phase bei Tamron, in der die Firma mit der SP-Serie zeigen wollte, dass ein unabhängiger Hersteller konzeptionell weit mehr anbieten konnte als nur preiswerte Alternativen zu den Originalobjektiven.

Für Adaptall-2 gibt es auch einen Telekonverter, so dass man aus diesem Objektiv zusätzlich eine 140–300mm-f5.6-Brennweite machen kann. Freundlicherweise „rechnet“ einem der Konverter die effektive Blende gleich um und zeigt sie in einem eigenen Fenster an.

Wir haben für dieses Objektiv alle Soft-Stufen bei Blende 2.8 und 4 sowie bei 70, 105 und 150 mm durchgetestet, außerdem mit dem Telekonverter bei 300 mm und Blende 5.6. Die Gesamtheit dieser Bilder findet sich sowohl klein in Schwarz-Weiß als auch in voller Farbauflösung hier auf dem Server.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Je nach verwendeter Blende, Brennweite und Abstand zum Subjekt kann bei der GFX die Vignette sehr hart werden. Oft wäre man hier mit dem Vollformat-Cropmodus besser bedient. Für mich persönlich ist diese kleine Einschränkung das Objektiv aber absolut wert.

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 70mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 70mm f2.8 mit Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 70mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 70mm f2.8 mit Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 105mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 105mm f2.8 mit Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 105mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 105mm f2.8 mit Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 150mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 1 bei 150mm f2.8 mit Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 150mm f2.8 ohne Blitz

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft auf Stufe 2 bei 150mm f2.8 mit Blitz

GFX100S, Tamron, Softstufe 3, Crop-Modus

GFX100S, Tamron, Softstufe 2, Crop-Modus

GFX100S, Tamron, Softstufe 0, Crop-Modus

An der Fujifilm X-T5

Und noch ein Argument, was für dieses Objektiv spricht: Auch an den 40MP vom X-T5 APS-C Sensor schlägt sich das Objektiv hervorragend. Und im Gegensatz zum Varisoft (und erst recht dem Pentax) sind hier die verschiedenen Softfokus-Stufen auch am kleinen Sensor sehr harmonisch, so dass da nichts als völlig unbrauchbar heraussticht.

Die Stufen 1 (die sich tatsächlich kaum von Stufe 0 unterscheidet) und 3 können auf dem Server begutachtet werden.

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 0 bei 85mm f2.8

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 2 bei 85mm f2.8

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 0 bei 135mm f2.8

Tamron 70-150mm f2.8 SP Soft an der Fujifilm X-T5 auf Stufe 2 bei 135mm f2.8

Seibold Dreamagon 90/4

In den 1990er Jahren entwickelte der deutsche Fotograf Jürgen Seibold dann etwas sehr Eigenwilliges: das Seibold Dreamagon 90/4. Hinter dem Objektiv steckt also immerhin keine anonyme japanische Versandhauslinse, sondern der Versuch eines Fotografen, eine eigene Weichzeichner-Optik zu schaffen. Ein Blick auf die Front genügt, um zu sehen, dass hier ein anderer Weg als beim Varisoft oder Imagon eingeschlagen wurde. Die ungewöhnliche Lochstruktur vor der Optik ist integraler Bestandteil der Bildgestaltung und beeinflusst, welche Strahlenbündel zur Abbildung beitragen.

Das macht das Dreamagon heute zu einem gesuchten Sammlerstück. Einzelne erhaltene Exemplare tauchen inzwischen sogar bei spezialisierten Kameraauktionen auf; bei Leitz Photographica Auction wurde beispielsweise ein 1998 gefertigtes Objektiv mit der Seriennummer 12 angeboten. Wie viele Dreamagons tatsächlich gebaut wurden, lässt sich daraus allerdings nicht seriös ableiten. Die häufig zu findende Behauptung extrem kleiner konkreter Stückzahlen würde ich daher mit Vorsicht genießen.

So interessant die Geschichte und die Konstruktion sind: Die Zweifel, die sich beim Anblick dieser Linse einschleichen, werden im Test für mich bestätigt. Dieses Objektiv ist … anders. Lichtquellen im Bild sehen völlig unmöglich aus und auch der Unschärfeeffekt ist zumindest an Digitalkameras im besten Fall als „eigenwillig“ zu beschreiben. Seltenheit und fotografische Qualität sind eben zwei völlig verschiedene Dinge.

Vielleicht lässt es sich noch am ehesten für abstrakte Fotografie und Pflanzenstillleben einsetzen. Für die Portraitfotografie gibt es zahllose bessere Varianten. Mein Exemplar ging deshalb postwendend an den Händler zurück und findet sich außerhalb des Alphabets ganz am Ende dieser Liste.

Seibold Dreamagon 90/4 bei f4 ohne Blitz

Seibold Dreamagon 90/4 bei f5.6 mit Blitz

Weitere Weichzeichner-Objektive

Ende des Sommers kommen hier noch weitere Exoten wie das Kiyohara Kogaku VK70R 70/5 oder der sehr seltene Weitwinkel-Weichzeichner SMC Pentax-FA 28/2.8 Soft dazu. Eine unvollständige Liste mit weiteren Beispielen findet sich auch hier bei Wikipedia. Das eine oder andere Weichzeichner-Objektiv werde ich hier aber nach und nach noch nachreichen.

Auch die Lensbaby hat unter anderem eine Softfokus-Linse für die Composer-Reihe. Allerdings scheinen sie es nicht wirklich zu pushen, da es das Objektiv zwar im Shop gibt, sich dazu aber keine eigene Rubrik findet und auch nicht auf der Webseite irgendwie weiter erwähnt wird. Gemessen daran, dass der Composer zusammen mit dem Einsatz $350 kostet, würde ich immer lieber zu den richtigen Weichzeichner-Objektiven greifen, die in den meisten Fällen ja auch noch mal eine „scharfe“ Einstellung zusätzlich haben.

Weiche Linsen

Dann gibt es natürlich noch eine Reihe an sich normaler Objektive, die gerade offenblendig eher weich abbilden und zum Überstrahlen neigen. Das kann bei Portraits durchaus sehr charmant wirken, wenn auch nicht zwingend so völlig verträumt wie bei den Softar-Filtern oder dem Minolta und Rodenstock Weichzeichner.

Linsen, die offen eher weicher sind, sind z.B. das Konica Hexanon 50/1.4, das Petri CC Auto 55/1.4 (Achtung: Spezieller Adapter notwendig!), das Sigma Mini-Wide MC 28/2.8 oder auch das Minolta MC Rokkor PF 58/1.4.

Beliebt ist inzwischen auch das Fujinon 55/2.2, das zwar nicht durch Verarbeitungsqualität glänzt, aber zu einem sehr günstigen Preis schön soft ist und – wie die anderen hier genannten Linsen – auch den Sensor der GFX vollkommen abdeckt.

Fujinon 55/2.2

Fujinon 55/2.2

Konica Hexanon 50/1.4

Konica Hexanon 50/1.4

Petri CC Auto 55/1.4

Petri CC Auto 55/1.4

Sigma Mini-Wide MC 28/2.8

Sigma Mini-Wide MC 28/2.8

Minolta MC Rokkor PF 58/1.4

Minolta MC Rokkor PF 58/1.4

Eine besonders hervorstechende Linse ist dabei noch das Minolta MC Rokkor PF 85/1.7, das wir hier schon als eine unserer Lieblingslinsen für die GFX100 vorgestellt hatten. Bis ca. f4 hat es eine Art eingebauten Duto-Filter. Die Bilder sind in den Flächen (-> Haut) schön soft, an den Kanten ist aber Schärfe vorhanden, so dass z.B. die Augen knackscharf kommen. Ab f4 ist es dann ein Traum jedes Dermatologen, wo jede Pore glasklar gezeigt wird.

Fujifilm GFX50R

Alte Objektive

Manche alten Linsen können einen auch überraschen und wenn man universelle Adapterlösungen hat, dann lassen sich auch historische Petzval-Objektive wie dieses hier adaptieren.

Und in der Tat besitzt es es auch einen dreamy weichen Look.

Fazit

Als ich mit diesem Vergleich angefangen habe, hätte ich wahrscheinlich noch wesentlich einfacher beantwortet, welches Weichzeichner-Objektiv ich empfehlen würde. Nach inzwischen ziemlich vielen Linsen, Testreihen und einigen überraschenden Abzweigungen in die Geschichte der Fotografie fällt die Antwort komplizierter aus.

Vor allem ist mir noch deutlicher geworden, dass es den einen klassischen Weichzeichner-Look gar nicht gibt. Minolta verändert gezielt die sphärische Aberration innerhalb des Objektivs, beim Imagon wird das Verhältnis zwischen einem klareren Grundbild und weicheren Strahlen über Siebblenden gesteuert, Pentax nutzt die Blende selbst als Effektregler und Tamron hat das Prinzip sogar in ein lichtstarkes Zoomobjektiv eingebaut. Das Sima und Portragon verzichten weitgehend auf optische Raffinesse und entwickeln gerade aus ihrer primitiven Konstruktion einen eigenen Charakter. Bei der Vest Pocket Kodak wiederum entdeckten Fotografen einen ursprünglich gar nicht als kreativen Effekt gedachten Abbildungsfehler und machten daraus eine eigene fotografische Technik, die Kiyohara Jahrzehnte später mit dem VK70R und VK50R wieder aufgriff.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus diesem Vergleich: Weichzeichnung ist kein Effekt, sondern eine ganze Familie sehr unterschiedlicher Arten, ein Bild abzubilden.

Entsprechend würde ich auch keine allgemeingültige Rangliste mehr aufstellen. Für meine eigene Portraitfotografie bleibt das Minolta Varisoft Rokkor 85/2.8 eines der überzeugendsten klassischen Weichzeichner-Objektive. Der scharfe Grundkern bleibt auch bei stärkerem Effekt gut erkennbar und die Weichzeichnung lässt sich unabhängig von der Blende steuern. Wer ein einzelnes Softfocus-Objektiv für Portraits sucht, macht damit meiner Meinung nach weiterhin wenig falsch.

Das Tamron SP 70–150mm f2.8 Soft ist für mich inzwischen allerdings mindestens ebenso faszinierend. Die Kombination aus mehreren klassischen Portraitbrennweiten, durchgehender Lichtstärke und regelbarer Weichzeichnung macht es erheblich flexibler als nahezu alle anderen Objektive in diesem Vergleich. Wäre es nicht so selten und teilweise entsprechend teuer, würde ich es vermutlich noch sehr viel deutlicher empfehlen.

Das Imagon spielt dagegen in einer eigenen Welt. Seine Bilder können tatsächlich fast gemalt wirken und die Siebblenden erlauben eine ungewöhnliche Steuerung des Effekts. Dafür muss man sich mit der Linse beschäftigen und besonders den Hintergrund im Auge behalten. Die Kühn-Wanze ist ein gutes Beispiel dafür, dass bei solchen Objektiven die Konstruktion selbst plötzlich im fertigen Bild sichtbar werden kann. Wer das Imagon lediglich anschraubt und erwartet, automatisch romantische Portraits zu erhalten, wird vermutlich gelegentlich ziemlich erstaunt auf seine Bilder schauen.

Fujifilm GFX100S & Kodak Vest Pocket

Noch stärker gilt das für Pentax, Sima, Portragon und die Kiyoharas. Das sind für mich keine Objektive, die man allgemein mit „schön weich“ beschreiben und dann beliebig vor jedes Motiv halten kann. Sie reagieren teilweise extrem auf Licht, Kontraste, Bildposition und Hintergrund. Genau darin liegt aber auch ihr Reiz. Man sucht nicht nur ein Motiv und fotografiert es anschließend mit einem Effekt, sondern beginnt irgendwann Motive und Licht für das jeweilige Objektiv zu sehen.

Vom Canon EF Softfocus 135/2.8 bin ich im direkten Vergleich weiterhin wenig begeistert. Sein Autofokus ist bequem und macht es ohne Frage einfacher nutzbar als fast alle historischen Spezialobjektive dieser Liste. Die eigentliche Softfocus-Abbildung wirkt auf mich neben dem Minolta, Tamron oder auch dem älteren Canon FD jedoch zu schnell matschig. Das ist eine persönliche Wertung und andere Fotograf:innen mögen genau diesen Look suchen. Für meine Fotografie wäre es trotzdem nicht die erste Wahl.

Sima und Portragon würde ich inzwischen ebenfalls weniger abschätzig als bloße Spielereien bezeichnen. Optisch können sie mit einem Varisoft oder Tamron nicht konkurrieren, wenn man unter Qualität eine kontrollierte Abbildung mit erkennbarem Schärfekern versteht. Aber vielleicht ist das die falsche Messlatte. Das Sima war bei einem meiner Studioshootings tatsächlich das einzige Objektiv, das mir genau das gewünschte Bild geliefert hat. In diesem Moment war vollkommen egal, wie primitiv zwei ineinandergeschobene Plastikrohre und eine einzelne Linse konstruiert sind.

Wer nur gelegentlich weichzeichnen möchte, muss sich ohnehin nicht auf die Jagd nach seltenen Spezialobjektiven machen. Im zweiten Teil dieses Artikels geht es ausführlich um Filter, und besonders die Softare bleiben für mich eine hervorragende Möglichkeit, einen klassischen Weichzeichner-Charakter mit bereits vorhandenen Objektiven zu verbinden. Der Autofokus bleibt erhalten, das Gepäck überschaubar und die Kosten liegen häufig unter denen der seltenen Objektive aus diesem Vergleich.

Wer sich dagegen ernsthafter mit Weichzeichner-Objektiven beschäftigt, sollte meiner Meinung nach weniger nach dem „besten“ Modell suchen. Spannender ist die Frage, welche Art der Weichzeichnung zur eigenen Fotografie passt. Soll ein klarer Schärfekern erhalten bleiben? Darf das Bild fast in Licht zerfließen? Möchte man den Effekt unabhängig von der Blende steuern oder gerade die Wechselwirkung zwischen Blende und sphärischer Aberration nutzen? Sollen Lichtquellen möglichst harmonisch überstrahlen oder dürfen sie den optischen Fingerabdruck der Konstruktion deutlich zeigen?

Vor allem sollte man diesen Objektiven Licht geben. Die Testreihen in diesem Artikel haben mir immer wieder gezeigt, wie wenig ein Weichzeichner losgelöst von der Aufnahmesituation beurteilt werden kann. Was bei flachem Licht kaum auffällt, kann mit einer hellen Lichtquelle im Bild vollkommen eskalieren. Ein Objektiv, das bei Offenblende draußen viel zu stark wirkt, kann im Studio abgeblendet plötzlich genau richtig sein.

Vielleicht liegt darin auch der größte Gegensatz zu unserer heutigen Vorstellung optischer Perfektion. Moderne Objektive sollen möglichst zuverlässig immer dieselbe hohe Abbildungsqualität liefern und ihre Fehler vor dem Fotografen verbergen. Viele der hier gezeigten Weichzeichner verlangen genau das Gegenteil. Man muss ihre Fehler kennenlernen, sie provozieren, begrenzen und irgendwann bewusst einsetzen.

Und manchmal stellt man dann fest, dass ein Abbildungsfehler gar nicht beseitigt werden musste. Es brauchte nur jemanden, der ein Bild damit machen wollte.

15 Kommentare
  1. Tilman Kiefer sagte:
    7. September 2024 um 18:13

    Schon mal die Portrayer-Filter von Minolta ausprobiert? Machen auch zarte Weichzeichnung! Und zwar an jedem Objektiv! Das Soft-Focus ist natürlich eine andere Welt :-)) !

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      8. September 2024 um 08:02

      Danke für den Tipp – die kannte ich noch gar nicht. Ich habe jetzt mal ein Set bestellt und werde die Bilder dann hier zur gegebenen Zeit nachreichen 🙂

      Antworten
  2. Michael Kolla sagte:
    30. Januar 2025 um 08:15

    Hattest Du je das 145er zur Mamiya 645?
    Habe es an einer GFX 50 probiert, bin aber wegen der Kürze der Zeit nicht so richtig mit der Kombination warm geworden.

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      30. Januar 2025 um 08:17

      Noch nicht, aber es steht auf meiner Liste der als nächstes anzuschaffenden Objektive :-). Wenn ich dann eins in den Fingern haben sollte, werde ich diesen Blogbeitrag natürlich um das Objektiv ergänzen …

      Antworten
  3. Volker Krause sagte:
    23. Mai 2025 um 14:24

    „Dabei sollten Softfokus-Bilder bzw. Weichzeichner-Bilder nicht mit Unschärfe verwechselt werden. Es sind nicht unscharfe, (willentlich oder versehentlich) falsch fokussierte Bilder, sondern es sind scharfe Bilder bei dem ein Anteil mit Unschärfe überlagert ist. Deswegen wirken sie auch nicht „fehlerhaft“, sondern verträumt, romantisch.“
    Das ist der entscheidende Satz! Es gibt viele Versuche, im David Hamilton-Stil zu fotografieren, meist unterliegen die Fotografen dieser so entstandenen Bilder diesem Irrtum!
    Ein klasse, sehr hilfreicher Bericht!

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      23. Mai 2025 um 23:13

      Freut mich, dass er weiterhelfen kann :-). Und ich hoffe auch, dass sich Wz.-Bilder auch wieder etwas mehr durchsetzen. Allerdings ist es momentan schwer, manche Objektive zu bekommen. Wer sie erstmal hat und schätzen gelernt hat, will sich halt nicht mehr von ihnen trennen …

      Antworten
  4. Russell Young sagte:
    29. Oktober 2025 um 01:39

    We think alike! I have posted my tests of many of the same lenses on Flickr: https://www.flickr.com/photos/strathedenfarm/albums
    My Ph.D. from the University of St. Andrews (Scotland) was aboit turn of the century soft focus lenses.
    You express your thoughts VERY well. Keep up the good work.
    Russ

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      29. Oktober 2025 um 14:34

      Thank you very much – and also for your very interesting link. It’s always great to see as many example images as possible for any given lens, especially such rare ones like soft focus lenses …

      Antworten
  5. Matt M sagte:
    14. Januar 2026 um 17:24

    Any experience with the Fujinon 85 f4 Soft Focus?? It appears to be rare and expensive. Great article thank you!!

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      14. Januar 2026 um 17:43

      No, I didn‘t use it so far. The price I can find here on eBay Germany seems to be okay, but I am not tempted to buy it as it uses the same technique for the soft focus like the Rodenstock Imagon: a disc with many holes in it, which leads to a quite undesirable bokeh. And when you can have a great Minolta Varisoft 85 with even f2.8 instead of f4 as a starting aperture, the Fujionon gets less and less interesting.

      If someone should have one: I would try it out for the article of course, but only to offer the best overview possible and not out of real interest for that lens … 😉

      Antworten
  6. Vab sagte:
    12. April 2026 um 15:10

    Hello Eric,
    It’s again a very interesting article.
    The SPIRATONE PORTRAGON 100/4 exists in Nikon and Canon mount.
    Which one do you advise to mount it on a Fuji GFX or Fuji X and which adapter do you use for each?
    Does this lens only behave well in « lit » light as you shown in your portrait examples?

    Antworten
    • Vab sagte:
      13. April 2026 um 13:57

      I think the offers I found were with the lens already prepared for a Nikon or Canon mount knowing that the Spiratone Portragon has originally a T mount.
      Don’t know if it is possible to „unscrew“ the Nikon/Canon mount to come back to the T mount and the put something like a K&F T2 to X adapter.

      Antworten
      • Erik Schlicksbier sagte:
        19. April 2026 um 12:17

        Yes, I can simply unscrew the Nikon to T adapter from my Spiratone without any problems.

        Antworten
  7. Bonzo Din sagte:
    15. April 2026 um 15:14

    Thank you for your wonderful review of soft-focus lenses!
    Pentax brought out a beautiful 120mm f:3.5 soft-focus lens for the 6×7 system. This could be also be used with a 6×7 to M-42 or K-mount adapter, for instance on the Pentax LX or the earlier Spotmatic series. I use it today with the greatest satisfaction on my Pentax K-1 full-frame digital SLR.
    Regarding the SMC Pentax 85mm f:2.2 soft-focus lens, it came on the market some time after the 6×7 lens and was clearly intended to be something different. It is important to note that in one version of the instructions, Pentax recommends it specifically for portraiture and flower arrangements. In another version it is recommended for portraiture, still life, and close-up work, or with an extender and/or extension tubes. There’s no mention of landscape or any other kind of general use. In close-up and macro the lens is surprisingly sharp in the centre with softness radiating to blurred edges of the frame. The use of an extender, be it 1.4x, 1.7x or 2x, evens out the soft-focus effect beautifully across the frame.
    The disregard of these important hints in the instructions results in the frustration that many have experienced with this lens. I would not want to miss it in my set-up.
    My best regards,
    Bonzo Din
    P.S. You can find examples from the Pentax Soft-focus lenses in my flickr albums.

    Antworten
    • Erik Schlicksbier sagte:
      19. April 2026 um 12:20

      Thank you so much 🙂
      I was indeed quite surprised to see how well the SMC Pentax Soft 85/2.2 behaves on the APS-C Sensor. Less crazy in a way than on the GFX. I hope that I will find more time to play with that lens in the future …

      Antworten

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