Altglas (u.a.) für die Fujifilm GFX100 – Podcast
Vorneweg: Es gibt kein TL,DR für diesen Beitrag. Altglas an der GFX ist es wert, dass man etwas weiter ausholt. Den Studio Kreativkommune Podcast, den wir für diesen Blogbeitrag aufgenommen hatten, findest Du hier (und auch später als Webplayer in diesem Blogbeitrag).
Vor ungefähr zwei Jahren haben Nils und ich unsere erste Folge zum Thema Altglas an den Fujifilm GFX Kameras herausgebracht — und anscheinend haben wir damit einen Nerv getroffen. Es ist mit über 20.000 Abrufen eine der meist gehörten Folge von meinem Podcast. Auch der dazugehörige Blog-Post wird jeden Monat noch hundertfach abgerufen.
Eigentlich ist es auch verständlich. Es wird noch immer viel zu selten über alte analoge Objektive an den GFX Kameras geredet und entsprechend wenig Erfahrungswerte findet man dazu online — von manch hochgehypten Linsen mal abgesehen. Einer der Gründe ist vielleicht ein gewisser Snobismus in der GFX-Community. Man fange mal in einer x-beliebigen GFX-Gruppe auf Facebook an, über Altglas zu schwärmen und schon ist Stimmung in der Bude. Nicht wenige sprechen dann einem gar das Recht ab, so was hochqualitatives wie eine GFX nutzen zu wollen, wenn man keine GF-Linsen davor schrauben möchte. (Allerdings gibt es auch ein paar dezidierte „Altglas an GFX“-Gruppen bei Facebook!)
Projektionsobjektive behandele ich übrigens in diesem Blogbeitrag, Weichzeichner in diesem und Softfokus-Objektive in diesem. Hier findest Du noch was zum Adaptieren von Objektiven aus Faltkameras.

Warum Altglas?
Dabei ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Wenn man Altglas liebt, dann liebt man diese Objektive eigentlich genau wegen ihrer technischen Unzulänglichkeiten. Moderne Linsen sind inzwischen so zu Tode korrigiert, dass sie zwar technisch einwandfreie Fotos machen, es ihnen dadurch aber auch an gewisser Seele fehlt. Die wirkliche Frage sollte also immer lauten: Was möchte ich wie und warum fotografieren. Würde ich hochwertige Produktbilder für eine Kampagne fotografieren wollen, würde ich natürlich auch zu GF-Glas (oder, zugegeben, zu Mamiya 645 Linsen) greifen. Möchte ich aber ausdrucksstarke Portraits fotografieren, die einen zusätzlichen Schmelz haben sollen, ist das Altglas ganz wunderbar geeignet — gerade an den GFX-Kameras. Die meisten Unperfektheiten finden sich an den Rändern der Linsen. Durch den Sensor der GFX, der größer als das normale Kleinbild-Format ist, kommen diese „Fehler“ an diesem Sensor umso stärker zur Geltung. Hier swirlt ein Helios 44-2 dann so richtig, während man es an einer APS-C-Kamera gerade so erahnen kann.
Das Problem
Dadurch, dass der Sensor größer ist, funktionieren aber nicht alle Kleinbild-Objektive auf dem vollen Sensor der GFX (zum Crop-Modus komme ich noch). Viele haben entweder eine softe oder harte Vignette, manche sind aber trotz allem vignettierungsfrei. Auch die Linsen, die wir hier vorstellen, sind nicht alle ohne softe Vignette. Sofern diese aber auftreten sollte, stört sie für den Einsatzzweck nicht oder lässt sich leicht in der RAW-Bearbeitung entfernen. Gleich auf Mittelformat-Objektive zu wechseln ist nicht zwingend der bessere Weg. Sie sind ungleich schwerer, größer und nicht zwingend schärfer auf den modernen Sensoren.
Was uns erstaunt hat ist, dass alle unsere Favoriten gleich gut an einer GFX50R und einer GFX100S funktioniert haben, trotz der unterschiedlichen Megapixel-Zahl. Irgendwann ist bei einer gewissen Megapixel-Zahl pro Sensorgröße mit der knackscharfen Auflösung Schicht im Schacht. Entgegen unseren Äußerungen in der ersten Folge hat sich aber gezeigt, dass es keine feste Regel gibt. Dass all die hunderten von Linsen, die wir getestet hatten, an der GFX50 in Sache Schärfe funktionieren, wunderte uns nicht. Dass aber alle unsere Favoriten auch genauso gut an der GFX100 waren, hat uns doch erstaunt. Wir hatten extra für diesen Test von Fujifilm Deutschland eine GFX100S ausgeliehen bekommen, um uns davon selbst überzeugen zu können. Der Nachfolger meiner GFX50R kann also tatsächlich eine 100er GFX werden. Das bedeutet aber nicht, dass ein 40 Megapixel APS-C Sensor der X-T5 genauso gutmütig ist. Zwar gehen da erstaunlicherweise fast alle Linsen, aber eben nicht alle. Auch einer unserer Favoriten, der an der GFX100 auch noch hervorragend aussah, war an der X-T5 nicht scharf zu bekommen.

Adapter
Zu der Frage der Adapter habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben. Die in der ersten Folge erwähnte Sandwich-Lösung ist für exotische Bajonette zwar noch immer der richtige Weg, aber es sollte möglichst immer ein Direktadapter vom Objektiv-Bajonett auf GF gewählt werden, um zusätzliche Vignettierung durch den Adapter zu vermeiden. In der ersten Folge hatten wir uns da auch auf einen falschen Tipp verlassen und waren auf Vignettierungen hereingefallen, die nicht von der Linse stammten. Adapter sind günstig genug und es muss tatsächlich auch nicht die Luxusklasse wie Novoflex sein. K&F verrichtet seinen Dienst auch hervorragend angesichts des Preises.
Das Problem mit den Reviews
Apropos auf falsche Tipps hereinfallen: Mir ist die Ironie zwar bewusst, aber als ein Toptipp sollte daher fast gelten: Glaube keiner Objektivrezension, die Du nicht selbst verfasst hast und keinen Tipps, die Du nicht selbst schon auf Herz und Nieren getestet hast. Okay, das mag etwas überspitzt sein, aber man sollte alle Review im Netz hinterfragen: Wurde (gerade bei russischen Linsen) auch eine gute Version getestet? Wurde der richtige Adapter verwendet? Mit welcher Blende wurde fotografiert? Wurde nachher noch gecroppt? Wie wurde das Bild nachher bearbeitet? Wie sieht das Bild eigentlich bei 100% aus? Wurde richtig belichtet? Wurde ein Stativ und ggf. ein Fernauslöser verwendet? Auf welchen Einsatzzweck wurde das Objektiv hin getestet?
Komplett mit Vorsicht zu genießen sind die im Netz kursierenden Listen ohne Beispielbilder, die dann angeben, ob und wann eine Vignette auftritt oder nicht. Es hat sich gezeigt, dass sich an kaum etwas so sehr die Geister scheiden wie ab wann eine Vignette nun als stark zu bezeichnen ist oder nicht. Außerdem bleibt auch immer da die Frage, welche Adapter von der eintragenden Person verwendet wurden. Und nicht alle Angaben konnten wir nachvollziehen, zumal auch ganz viele Linsen da erst gar nicht gelistet sind.

Unsere Vorgehensweise und unser Ziel
Für unsere Vorstellung können wir folgendes sagen: Zuallererst haben wir keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern bewerten ganz subjektiv. Ich habe all die Objektive für mich, meinen Geschmack und meinen Einsatzzweck hin getestet. Da nicht jede:r die Möglichkeit hat, hunderte von Objektiven an die eigene Kamera zu schrauben, teile ich gerne meine persönlichen Einschätzungen. Mein Augenmerk liegt darauf, für meine Art der Portraitfotografie, die vor allem schwarz-weiß und komplett offenblendig ist, die perfekten preiswerten Linsen aus dem Pool herauszufinden, den Nils besitzt. Der ist zwar riesig, aber natürlich nicht allumfassend. Es kann also immer sein, dass es irgendwo noch einen viel besseren Geheimtipp gibt, auf den wir nur noch nicht gestoßen sind. Mir ist bewusst, dass es da draußen sicherlich qualitativ noch bessere Linsen gibt als die, die wir hier empfehlen. Mir ging es aber immer um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich besitze (und nutze) lieber mehr 98%ige Linsen als viel weniger 100%ige Linsen, zumal außer pixelpeependen Geeks niemand den 2%igen Unterschied sieht. Und dieser 2%ige Unterschied geht dann meist mit einem 100-500%igen Aufpreis einher. Die Linsen, die wir hier empfehlen, gehen schon ab ca. 40 Euro los und enden meist im niedrigen dreistelligen Bereich. Ein paar wohlbegründete Ausnahmen haben wir. Dazu soll für mich jedes Objektiv sichtbaren Charakter / Schmelz haben. Ich suche also für meine Portraitfotografie nach Fehlern, die dann ein interessantes Bokeh zaubern. Chromatische Aberrationen sind mir persönlich oft egal, aber wir haben extra alle Beispielbilder für Euch in kompletter 100MP Auflösung in schwarz-weiß und in Farbe hochgeladen und extra viel CA-provozierende Linien eingebaut, damit Ihr Euch auch selbst einen Eindruck machen könnt.
Wir haben die Kameras richtig gefordert und alle Beispielbilder bei kompletter Offenblende geschossen. Alle unsere Empfehlungen sind auf den Fokuspunkt hin also auch bei Offenblende selbst bei 100MP knackscharf. Bei manchen Linsen (wie dem Helios 44-2) gilt das aber natürlich nur in bestimmten Zonen des Bildes. Alle Beispielbilder sind zwar RAW-bearbeitet, eine eventuell vorhandene Vignette wurde aber NICHT korrigiert (außer wenn anders angegeben), damit man sie entsprechend einschätzen kann. Alle Bilder sind vom Stativ aus mit Fernauslöser fotografiert und es wurde immer ein Direktadapter verwendet, wenn es den für das GF-Format gab.
Allgemein zu den Mounts
Nicht jeder ist so verrückt wie Nils und ich und hat eine abstruse Anzahl auch an exotischen Adaptern. Die meisten werden sich sicherlich auf weniger Mounts beschränken wollen. Oftmals ergibt sich ein Mount vielleicht schon aus den Linsen, die man selbst noch/schon zu Hause hat. Wenn man aber komplett neu anfängt, so ist sicherlich der M42-Mount von der Auswahl der Linsen her der Interessanteste. Auf Platz zwei folgt aber eindeutig Minoltas MD-Mount, da Minolta unglaublich viele Brennweiten hat, bei denen es ein, zwei Vertreter von der jeweiligen Brennweite gibt, die auch an einer GFX ganz hervorragend performen — inklusive zweier Zoom-Objektive.
Die Podcast-Folge
Auch zu diesem Blogbeitrag gibt es eine aktualisierte Podcast-Folge, in der Nils und ich nicht nur über Altglas an sich an der GFX und anderen Kameras sprechen sondern auch noch näher auf die Meisten der hier aufgeführten Objektiv eingehen. Du findest den Podcast bei all den üblichen Podcatchern oder hier im Webplayer.

Alte analoge Linsen, sogenanntes „Altglas“, verleihen gerade Portraits einen ganz eigenen Schmelz bzw. Charakter. Und ganz besonders kommt das an den Fujifilm GFX Kameras zur Geltung, da sie mit einem größeren Bildkreis mehr von den „Fehlern“ eines Objektives zeigen — denn genau dadurch entsteht der besondere Look.
Nils Pooker und ich hatten vor zwei Jahren schon mal über dieses Thema unterhalten, aber seitdem haben wir hunderte weiterer Linsen ausgetestet und diese am Ende sogar an einer GFX100S und einer Fujifilm X-T5 antreten lassen — mehr kann man von Linsen nicht einfordern.
In dieser Folge unterhalten wir uns über den Charme des Altglases und welche Linsen wir warum für die Fujifilm (und auch andere Digitalkameras) empfehlen.
Zu dieser Folge gibt es auch einen Blogbeitrag, in dem wir alle Testbilder zeigen und auch in voller Auflösung zum Download zur Verfügung stellen: https://www.schlicksbier.com/altglas-u-a-fuer-die-fujifilm-gfx100-podcast
Wer sich in das Thema Altglas tiefer einlesen möchte, dem steht folgendes Buch zur Verfügung: „Das große Buch der Objektive: Technik, Ausrüstung und fotografische Gestaltung“ von Christian Westphalen — https://amzn.to/424Wbyd
Die Adapter-Empfehlungen findest Du hier: https://www.schlicksbier.com/adapter-fuer-altglas-an-modernen-digitalkameras/
Unsere weiteren Hörtipps waren:
JPEG Fotografie mit Fujifilm Kameras: https://studio.kreativkommune.org/052-neue-jpeg-rezepte-fuer-die-fujifilm-x-welt
JPEG Fotografie allgemein: https://studio.kreativkommune.org/040-die-out-of-cam-jpeg-fotografie
Den alten Blogbeitrag zu dem Thema findest Du hier: https://www.schlicksbier.com/altglas-u-a-fuer-die-fujifilm-gfx50-podcast
Und das mehrfach angesprochene Digicam Forum findest Du hier: https://www.digicamclub.de/forum.php

Literatur
Wer sich in das Thema Altglas tiefer einlesen möchte, dem steht folgendes Buch zur Verfügung: „Das große Buch der Objektive: Technik, Ausrüstung und fotografische Gestaltung“ von Christian Westphalen, das u.a. hier bei Amazon zu bekommen ist.
Der 35mm Modus der GFX100er Serie
Bevor wir in medias res gehen: Es gibt noch einen Grund, warum in meinen Augen die GFX100er Serie eine ideale Kamera für Altglas-Fans ist. Nicht nur weil der besondere Charakter von Kleinbildlinsen auf dem großen Sensor voll zur Geltung kommt und man eine große Bandbreite an Mittelformat-Linsen nutzen kann, bei denen gerade die Vertreter mit Pentacon Six Mount besonders charakterstark sind (dazu wird es sicher auch noch mal einen separaten Blogpost geben). Nein, es gibt noch ein ganz besonderes Feature: Den 35mm Modus, bei dem der Sensor intern auf Vollbildsensor „gecroppt“ wird, was aber noch immer stolze 60 Megapixel bedeutet. Und damit lassen sich nun wirklich (nahezu) alle Kleinbildlinsen ganz ohne Probleme an der GFX nutzen. „Nahezu“ deswegen, weil es gerade im Kleinbildbereich viele obskure Marken gab, deren Senfglas-Qualität eigentlich nur zum Einsatz als Briefbeschwerer reicht. Diese Scherben sind am Sensor der GFX natürlich nicht scharf zu bekommen, aber das betrifft eher nur Sonderfälle.
Auch die GFX50sII bietet eine solche Crop-Funktion auf Vollformat. Sollte man irgendwann aber mit dem Gedanken spielen, Canon EF oder Nikon Objektive mit Autofokus an der GFX zu nutzen (z.B. via Fringer Adapter), dann sollte man unbedingt zur 100er Serie greifen, das sich das AF-Verhalten der beiden Kamera-Serien um Welten unterscheidet.

Konica Hexanon AR 50/1.4 im 35mm Modus der GFX100S
Trotzdem haben wir uns für diesen Blog- und Podcast-Beitrag auf die Objektive konzentriert, die sich mit dem gesamten Sensor der GFX nutzen lassen. Da es aber auch ganz besondere Perlen wie das Konica Hexanon AR 50/1.4 gibt, die nur im 35mm-Modus funktionieren und man im 24mm-Bereich auch nur preisgünstig etwas in diesem Crop-Modus finden wird, wird es in Zukunft sicher auch noch mal einen Blog-Beitrag zu der einen oder anderen Linse geben, für die sich das Umstellen in der GFX lohnt.
Abschnitt 1 — kleiner 35mm
Weitwinkel ist eine absolute Herausforderung für das Mittelformat. Das war schon zu Analogzeiten nicht anders. Eine Vignettierungsfreiheit ist hier nicht zu erwarten, aber wir haben tatsächlich zwei Linsen gefunden, die nicht hart vignettieren und deren Abschattung in der RAW-Bearbeitung komplett entfernbar ist. Dazu gilt ganz allgemein, dass je mehr man abblendet, desto mehr auch von der hier gezeigten Vignette verschwindet. Offenblendig ist halt fies für Weitwinkel …
Canon (n)FD 20/2.8
Das Canon New FD 20 mm f/2.8 war für mich die größte Überraschung unter den an der GFX100 ausprobierten Kleinbild-Weitwinkelobjektiven. Am größeren Sensor entspricht sein Bildwinkel ungefähr dem eines 16-mm-Objektivs am Kleinbildformat, dennoch erzeugt es keine harte, klar abgegrenzte Vignette. Bei Offenblende bleiben eine sichtbare Randabdunklung und schwächere Ecken, doch lässt sich das in einer RAW-Datei erstaunlich gut korrigieren. Abgeblendet wird die Ausleuchtung deutlich gleichmäßiger, sodass das Objektiv durchaus für Landschaften und sehr weit gefasste Umgebungsaufnahmen einsetzbar ist.
Canon brachte die New-FD-Version Ende 1979 heraus. Wie der ältere FD-Vorgänger besitzt sie zehn Elemente in neun Gruppen, ist aber leichter gebaut. Eine Floating-Element-Konstruktion sollte die Abbildungsleistung über unterschiedliche Entfernungen stabilisieren. Wichtig ist, dass sich meine Erfahrungen ausdrücklich auf diese kompaktere New-FD-Version beziehen. Bei anderen 20-mm-Konstruktionen und selbst bei manchen äußerlich ähnlichen Canon-Versionen kann das Ergebnis am GFX-Sensor anders ausfallen.

f2.8
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Bajonett: Canon FD
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 72mm
Gebrauchtpreise: ab 180 Euro

Lotte. GFX50R, f2.8

Das Objektiv auf f8 abgeblendet ohne Vignettierungskorrektur
Im Ultraweitwinkelbereich unterhalb von 28mm konnte aus Nils‘ Sammlung allein das Canon an der GFX überzeugen, dafür aber auch ohne große Kompromisse. Als Disclaimer sei hier allerdings das Adaptieren des Canon-Bajonetts erwähnt. Neue Techniken wie Programmautomatiken erforderten einen komplexen Umbau des Bajonetts, um abwärtskompatibel zu bleiben. Das Objektiv wird in den älteren FD-Versionen mittels eines Silberringes zu- und aufgedreht, die neuen nFD-Bajonette (ab 1979) rasteten ein und verfügten über einen Knopf. Die hier vorgestellte und getestete nFD-Variante ist bei gleicher optischer Rechnung 40 Gramm leichter als die ältere FD-Version. Achtung: Trotzdem steht auf der Linse FD drauf!
Minolta MD W.Rokkor 28/2.8
Das Minolta MD W.Rokkor 28 mm f/2.8 ist weniger spektakulär als das Canon 20 mm, dafür aber ein ausgesprochen praktisches Altglas-Weitwinkel. Es ist klein, leicht, preiswert und zeigte unter den von mir getesteten 28-mm-Objektiven lange die geringste Randabdunklung. Erst das Hoya HMC 28 mm f/2.8 erwies sich in dieser Hinsicht als ähnlich überzeugend. Eine vollkommen gleichmäßige Ausleuchtung sollte man dennoch nicht erwarten: Vor allem bei weit entfernten Motiven tritt die Abdunklung stärker hervor als im Nah- und mittleren Entfernungsbereich.
Sein Reiz liegt weniger in einem extrem auffälligen Bokeh als in einer ausgewogenen, unaufdringlich klassischen Wiedergabe. Das Objektiv eignet sich dadurch gut für Umweltportraits, Reportage und Stadtaufnahmen, bei denen der Altglascharakter sichtbar bleiben darf, ohne das Motiv zu dominieren. Wer bereits Minolta-SR- beziehungsweise MD-Objektive adaptiert, erhält hier eine besonders kompakte Weitwinkellösung, die den größeren GFX-Sensor besser bedient, als es die Kleinbildherkunft vermuten lässt.

f2.8
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Bajonett: Minolta MD
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 40 Euro

GFX50R, f2.8

GFX100S, f2.8
Abschnitt 2 — 35mm
Auch hier kämpfen die Objektive im günstigeren Sektor durch die Bank mit Vignettierung. Aber auch hier gilt, dass keine unserer Empfehlungen hart vignettiert und dass man alle Vignetten in der RAW-Entwicklung problemlos beheben kann.
Nikon Series E 35/2.5
Das Nikon Series E 35 mm f/2.5 gehört zu den Objektiven, die äußerlich leicht unterschätzt werden. Nikon entwickelte die Series-E-Reihe ursprünglich als kompaktere und preisgünstigere Ergänzung zur kleinen Nikon EM. Die Objektive trugen bewusst nicht die Bezeichnung Nikkor und verwendeten teilweise mehr Kunststoff, sollten optisch aber keineswegs bloße Billigkonstruktionen sein. Die 35-mm-Version ist zudem mit der AI-S-typischen Blendenübertragung kompatibel und lässt sich entsprechend unkompliziert adaptieren.
An der GFX100 bleibt eine weiche, meist gut beherrschbare Randabdunklung. Entscheidender ist für mich jedoch das Bokeh: Unter den 35-mm-Objektiven, die den GFX-Sensor ausreichend ausleuchten, erzeugt dieses Nikon eines der angenehmsten Hintergrundbilder. Schon bei f/2.5 verläuft die Unschärfe cremig und wesentlich ruhiger, als es bei vielen klassischen Weitwinkelkonstruktionen üblich ist. Dadurch eignet es sich besonders für dokumentarische Portraits und Aufnahmen, bei denen viel Umgebung sichtbar bleiben soll, ohne dass der Hintergrund nervös vom Menschen ablenkt.

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Bajonett: Nikon-F (AI, AIS)
Blendenstufen: f/2.5 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 52mm
Gebrauchtpreise: ab 80 Euro
Im alten Blogbeitrag hatten wir auch eine Minolta-Alternative vorgestellt, die allerdings deutlich mehr vignettiert als das Nikon. Trotzdem hat das Minolta Objektiv auch ein wunderschönes Bokeh.

GFX100S, f2,5
Olympus Zuiko Shift 35/2.8
Das Olympus Zuiko Shift 35 mm f/2.8 ist das teuerste, aber zugleich technisch konsequenteste 35-mm-Objektiv in dieser Auswahl. Als Shiftobjektiv wurde es von Anfang an für einen erheblich größeren Bildkreis als das normale Kleinbildformat gerechnet. Olympus nennt in der ursprünglichen Anleitung einen nutzbaren Erfassungswinkel von 83 Grad, obwohl der normale Bildwinkel eines 35-mm-Objektivs am Kleinbildformat nur rund 63 Grad beträgt. Der zusätzliche Bildkreis war eigentlich für perspektivische Korrekturen vorgesehen, erklärt aber zugleich, weshalb das Objektiv den GFX-Sensor ohne die bei vielen anderen Kleinbild-Weitwinkeln üblichen schwarzen Ecken ausleuchtet.
Bemerkenswert ist, dass das Zuiko trotz seiner primären Ausrichtung auf Architektur nicht steril wirkt. Das Bokeh bleibt angenehm und eignet sich durchaus für Portraits mit sichtbarer Umgebung. Die Bedienung ist wegen der Shiftmechanik und der Arbeitsblendenmessung weniger schnell als bei einem normalen OM-Objektiv. Wer jedoch ein kompaktes Kleinbildobjektiv unterhalb von 50 mm sucht, das die GFX zuverlässig ausleuchtet, findet nur wenige ähnlich überzeugende Alternativen.

f2.8
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Bajonett: Olympus OM
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 350 Euro

GFX50R, f8

GFX100S, f2.8
Abschnitt 3 — 50-58 mm
Sicherlich ist das eine der populärsten Brennweiten und eine, bei der es auch mit Abstand am meisten Auswahl gibt. So viel Auswahl, dass es einfach nicht das eine beste Objektiv geben kann — zu unterschiedlich sind sie in ihrem Look, der aber trotzdem in den Varianten gefällt. Deswegen endet man hier meist auch gleich bei diversen Normalbrennweiten im Fotorucksack, einfach weil sich der Look so unterscheidet.
Vor dem neuen Test hätte es aber eine ganz klare Allrounder-Empfehlung gegeben: Das Ashai SMC Takumar 55/1.8. Ein Objektiv, dass im Gegensatz zum Carl Zeiss Planar* 50/1.7 seinen wunderbaren Retrocharme auch dann behält, wenn man es abblendet. Während sich das Takumar auch an der GFX100S wunderbar schlug, war es an der X-T5 allerdings absolut nicht scharf zu bekommen.
Minolta MC Rokkor PF 58/1.4
Das Minolta MC Rokkor-PF 58 mm f/1.4 ist eines der vielseitigsten Objektive dieser Liste. Es funktioniert sowohl an der GFX100 als auch an hochauflösenden APS-C-Kameras wie der Fujifilm X-T5 überzeugend und ist damit ein guter Kandidat für alle, die ihr Altglas nicht nur an einem einzigen Kamerasystem verwenden möchten. Die etwas längere Brennweite gegenüber einem klassischen 50-mm-Objektiv erzeugt an der GFX einen natürlichen Bildwinkel, der sich für Halbportraits, Alltagsszenen und kleinere Details gleichermaßen eignet.
Bei Offenblende verbindet das Rokkor eine ausreichend präzise Schärfeebene mit einem leichten Glow und einem sichtbar klassischen Kontrastverhalten. Das Bokeh ist allerdings nicht immer ruhig: Konturen können sich verdoppeln, Spitzlichter erhalten ausgeprägte Ränder, und strukturierte Hintergründe wirken bisweilen beinahe kreisend. Gerade diese Mischung macht seinen Charakter aus. Wer ein möglichst cremiges, unauffälliges Bokeh sucht, findet passendere Objektive. Wer dagegen einen deutlich erkennbaren, aber noch gut kontrollierbaren Retrolook möchte, erhält einen bemerkenswert universellen Allrounder.

f1.4
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Bajonett: Minolta MD
Blendenstufen: f/1.4 – f/16
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 50 Euro

Chantal, Fujifilm GFX50R, f1.4

Jana-Marie, Fujifilm GFX50R, f1.4, mit Duto-Filter
Ashai SMC Takumar 55/1.8
Das SMC Takumar 55 mm f/1.8 gehört zu den besonders einfachen Empfehlungen für die GFX100. Es ist kompakt, über M42 problemlos adaptierbar und verbindet einen klassischen Bildcharakter mit einem ungewöhnlich weichen Übergang zwischen Schärfe und Unschärfe. Das Bokeh wirkt bei Offenblende cremig, ohne vollkommen glattgebügelt zu sein; kleine Konturen und ein leichter Vintagecharakter bleiben erhalten. Selbst abgeblendet verliert das Objektiv diese Anmutung nicht vollständig.
Die SMC-Bezeichnung steht für Pentax weiterentwickelte Mehrschichtvergütung, die Anfang der 1970er-Jahre eingeführt wurde und gegenüber älteren Takumaren Kontrast und Gegenlichtverhalten verbesserte. Das macht das 55er alltagstauglicher, ohne seine historische Bildsprache zu beseitigen. An meiner GFX100 überzeugt es deutlich stärker als an der X-T5, deren hohe Pixeldichte seine Grenzen bei der Detailauflösung sichtbarer macht. Wer das Objektiv vor allem am großen GFX-Sensor verwenden möchte, erhält jedoch für wenig Geld eine ausgesprochen stimmige Kombination aus weichem Bokeh, handlicher Bauweise und ausreichender Schärfe.

f1.4
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/1.8 – f/22
Blendenlamellen: 10
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 40 Euro

Anika, GFX50R, f1.8
Revue Revuenon MC 55/1,2
Das Revue Revuenon MC 55 mm f/1.2 ist vor allem deshalb interessant, weil lichtstarke Objektive dieser Klasse inzwischen oft zu Sammlerpreisen gehandelt werden. Das Revuenon gehört dagegen weiterhin zu den vergleichsweise erschwinglichen Möglichkeiten, mit f/1.2 zu fotografieren. Zugleich ist es eines der wenigen klassischen 55-mm-Objektive dieser Lichtstärke, deren Randabdunklung an der GFX100 noch beherrschbar bleibt.
Bei Offenblende geht es weniger um perfekte technische Korrektur als um die extrem dünne Schärfezone und den weichen Übergang in die Unschärfe. Das Motiv kann sich sehr plastisch aus dem Hintergrund lösen, wobei die Zeichnung nicht klinisch, sondern sichtbar analog wirkt. Treffgenaues manuelles Fokussieren ist allerdings entscheidend; schon kleinste Bewegungen verändern die Schärfeebene deutlich. Wie bei vielen unter Handelsmarken vertriebenen Objektiven können unterschiedliche Fassungen und Zuschreibungen existieren. Deshalb kann ich nicht garantieren, dass jede angebotene Revuenon-Version automatisch dem hier getesteten Exemplar entspricht.

f1.2
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Bajonett: Pentax-K
Blendenstufen: f/1.2 – f/16
Blendenlamellen: 9
Filtergewinde: 58mm
Gebrauchtpreise: ab 200 Euro

GFX100S, f1.2
Revue Auto-Revuenon MC 50/1,4
Mehr Vignette als das 1.2er, aber dieses Revue Objektiv glänzt durch zwei Tatsachen: a) ist es lächerlich billig und hat (trotzdem) b) eine unfassbare Randschärfe auch am GFX-Sensor. Wir haben zum Beweis mal die Linse auf f8 abgeblendet und den Puppenkopf ganz in die Ecke gesetzt. Wer also komplette Schärfe über die Bildebene braucht, aber nur eingeschränkt Geld zur Verfügung hat – hier ist Deine Linse!

f1.4
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Bajonett: Pentax-K
Blendenstufen: f/1.4 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: schwankend, um 50 Euro

f8
Download entwickeltes jpeg bei f8 in Originalgröße (Farbe)

100% Crop des äußersten seitlichen Randes
Revuenon war die Objektivbezeichnung der Handelsmarke Foto Quelle. Ähnlich der Marke Porst ist es faktisch unmöglich, die eigentlichen Hersteller zu ermitteln, oft gab es selbst innerhalb von Versionsvarianten im Laufe der Zeit auch unterschiedliche Produzenten wie Cosina, Chinon, Tomioka, Kiron oder Komine. Die Firmen kauften größere Chargen günstiger, kompletter Kamerasysteme in Japan oder der Sowjetunion ein und vermarkteten sie unter eigenem Label. Zielgruppen waren preisbewusste Hobby- und Amateurfotograf*innen, denen in der Regel kleinformatige Abzüge für Fotoalben reichte. Da die Anforderungen an solche Objektive keinen ambitionierten oder gar professionellen Ansprüchen genügen mussten, taugen diese Objektive in der Regel auch nicht für das Adaptieren an Digitalkameras. Eine der Ausnahmen dieser Regel ist das Auto-Revuenon MC 50mm f/1.4. Hier geht es um die Version mit 6 Blendenlamellen, die in meinen Test mit mehren Exemplaren der mit 8 Lamellen überlegen war, das lediglich ein etwas schöneres Bokeh zeigt. Bei Offenblende ist das hervorragend verarbeitete Auto-Revuenon zwar dem erstklassigen Canon nFD 50mm f/14 eindeutig unterlegen, dafür bietet es ab f/2 bereits gute und ab f/4 sogar exzellente Leistungen über den gesamten Bildkreis hinweg. Preistipp.

GFX50R, f1.4
Ashai SMC Pentax-A Macro 50/2.8
Das SMC Pentax-A Macro 50 mm f/2.8 ist kein Objektiv, das ich allein wegen seines Bokehs oder seiner Lichtstärke an die GFX setzen würde. Seine Stärken liegen in einer sauberen, kontrollierten Abbildung und in der guten Leistung im Nahbereich. Für Reproduktionen, das Digitalisieren von Film und kleinere Produktaufnahmen ist es an der X-T5 besonders nützlich. Der Pentax-A-Anschluss besitzt zusätzlich zur mechanischen Blendensteuerung eine A-Stellung für die elektronische Blendenübertragung an kompatiblen Pentaxkameras; am Adapter wird die Blende konventionell am Ring eingestellt.
An der GFX100 deckt das Objektiv den Sensor ausreichend ab und kann als präzises Normalobjektiv eingesetzt werden. Die Lichtstärke f/2.8 begrenzt jedoch die Möglichkeiten zur Freistellung, und im eigentlichen Makrobereich wird die Kombination aus 50 mm Brennweite und großem Sensor schnell unhandlich, weil der Arbeitsabstand knapp bleibt. Wer ein sachliches, scharfes und vielseitig einsetzbares Altglas sucht, erhält dennoch ein sehr gutes Werkzeug. Für expressive Portraits gibt es innerhalb dieser Liste interessantere Alternativen.

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Bajonett: Pentax-K
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 70 Euro

Größtmögliche Nähe bei Verwendung des Macros an der Fujifilm X-T5
Helios 44-2 58/2
Das Helios 44-2 ist wahrscheinlich das bekannteste sowjetische Fotoobjektiv. Seine optische Grundidee geht auf das Zeiss Biotar 58 mm f/2 zurück, wobei sich die zahlreichen sowjetischen Produktionsserien hinsichtlich Vergütung, Mechanik und Qualitätskontrolle deutlich unterscheiden können. Deshalb ist die pauschale Aussage, ein Helios sei scharf oder unscharf, wenig sinnvoll. Ein gutes Exemplar kann selbst am 100-Megapixel-Sensor in der Bildmitte erstaunlich viele Details auflösen; ein schlechtes wirkt bereits an deutlich weniger anspruchsvollen Kameras weich und dezentriert.
Berühmt ist das Objektiv wegen seines Swirls. Dieser entsteht nicht bei jedem Motiv automatisch, sondern vor allem bei geeigneten Aufnahmeabständen und strukturierten Hintergründen außerhalb der Bildmitte. Der größere GFX-Sensor nutzt stärker jene Randbereiche, in denen der Effekt ausgeprägt ist, und macht das Helios deshalb besonders interessant. Gleichzeitig kann der Wirbel ein Bild schnell beherrschen. Das 44-2 ist somit kein universelles Normalobjektiv, wohl aber eine der günstigsten Möglichkeiten, mit einem sehr charakteristischen historischen Bokeh zu arbeiten.

f2
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/2.0 – f/16
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: stark schwankend, ab 40 Euro, inzwischen deutlich teurer, nachdem das Objektiv von Hollywood entdeckt wurde.

Malin, GFX50R, f2

Lisa-Marie, GFX50R, f2
Das Helios 44 (-2) ist eine sowjetische Kopie des Carl Zeiss Biotar 58mm f2. Wie das Planar beruhte das von Willy Merté gerechnete Biotar auf dem sogenannten Gaußschen Doppelobjektiv. Es gab als zweite Variante das seltene Biotar 75mm 1.5, das jedoch zu Preisen im vierstelligen Bereich gehandelt wird. Carl Zeiss Jena baute das 58er Biotar bis 1961 weiter in einer Stückzahl von 300.000 Exemplaren, in der DDR war es die anspruchsvolle Lösung für die Exakta, Praktica und Contax. Die sowjetische Kopie war dagegen eine Art Kit-Linse für die Zenit-Kameras und wurde ebenfalls in sehr hohen Stückzahlen gefertigt. Im Vergleich zum DDR-Biotar unterliegen sowjetische Objektive ud insbesondere das Helios einer größeren Fertigungstoleranz. Daraus folgende, negative Testberichten berichten dann oft von fehlender Schärfe auch in der Bildmitte. Ein gutes, meist späteres Exemplar vorausgesetzt, bildet ein Biotar oder Helios-44 auch an Digitalsensoren ausreichend scharf in der Bildmitte ab und zeigt das ausgeprägte “Swirly Bokeh”.
Abschnitt 4 — 85 mm
Die klassischen Portraitbrennweiten — auch an einem etwas größeren Sensor wie den GFX-Kameras. Da wir hier bei einer APS-C Kamera aber schon deutlich in den Telebereich kommen, sind das auch die letzten Linsen, die wir parallel an den X-Kameras getestet haben.
Minolta MC Rokkor PF 85/1.7
Das Minolta MC Rokkor-PF 85 mm f/1.7 ist eines meiner liebsten Portraitobjektive überhaupt. Seine Besonderheit liegt nicht nur in der Brennweite oder Lichtstärke, sondern in der ungewöhnlichen Veränderung seines Charakters beim Abblenden. Zwischen f/1.7 und ungefähr f/2.8 zeichnet es Haut weich und schmeichelnd, ohne die Schärfeebene vollkommen aufzulösen. Wimpern, Pupillen und markante Konturen können präzise bleiben, während feinere Hautstrukturen deutlich sanfter erscheinen. Es ist kein konstruktiv verstellbares Softfokusobjektiv, verhält sich bei Offenblende aber in manchen Situationen ähnlich, fast so als ob es da einen Duto-Filter eingebaut hätte.
Ab ungefähr f/4 verschwindet dieser Eindruck fast vollständig. Dann wird das Rokkor zu einem ausgesprochen scharfen Kurztele, das Poren und kleinste Details deutlich wiedergibt. Gerade diese Doppelrolle macht es so wertvoll: Mit einer einfachen Veränderung der Blende lässt sich zwischen schmeichelndem Portraitlook und analytischer Schärfe wechseln. Am GFX-Sensor bleibt das Bokeh harmonisch, und der größere Bildwinkel gegenüber der Nutzung am Kleinbildformat macht das Objektiv auch für etwas weiter gefasste Portraits geeignet.

f1.7
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Bajonett: Minolta SR (MC, MD)
Blendenstufen: f/1.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 300 Euro

Stine, GFX50R, f1.7

Chantal, GFX50R, f1.7
Wie das MC-Rokkor-HH 35mm f/1.8 oder das bekannte MC Rokkor-PG 58mm f/1.2 stellte Minolta das MC Rokkor-PF 85mm f/1.7 als Neuerung zur Photokina 1968 vor. Basierend auf der Planar-Rechnung bescheinigten Testberichte dem Objektiv eher durchschnittliche Leistungen im Vergleich zur Konkurrenz. Bemängelt wurden vor allem fehlende Schärfe bei den Anfangsblenden f/1.7 und f/2.8. Es stand immer wieder eine berechtigte Vermutung im Raum, dass Minolta diese Abbildungseigenschaften beabsichtigt hatte. Erstens gab es für die Porträtfotografie spezielle Weichzeichner-Vorsatzlinsen, zweitens brachte Minolta als Nachfolger ein schon bei Offenblende extrem scharfes und hoch auflösendes 85mm f/2 zusammen mit einem “Variosoft” Weichzeichner-Porträtobjektiv heraus.
MC Jupiter 9 85/2
Das Jupiter-9 gehört zur großen Familie der Objektive, die sich an der klassischen Zeiss-Sonnar-Konstruktion 85 mm f/2 orientieren. Seine fünfzehn Blendenlamellen halten die Öffnung auch abgeblendet annähernd rund, wodurch unscharfe Spitzlichter weniger schnell eckig werden als bei vielen späteren Kleinbildobjektiven. Gute Exemplare verbinden eine ausreichende Schärfe in der Fokusebene mit einem sehr weichen Übergang in den Hintergrund und einem leicht reduzierten Offenblendkontrast.
Wie bei vielen sowjetischen Objektiven ist die Serienstreuung allerdings erheblich. Dezentrierung, schwergängige Fokussierung, Öl auf den Lamellen oder nachträglich falsch zusammengesetzte Exemplare sind möglich. Die Leistung eines einzelnen Jupiter-9 sollte deshalb nicht ohne Weiteres auf die gesamte Baureihe übertragen werden. Ein gutes Exemplar ist an der GFX100 jedoch ein bemerkenswertes Portraitobjektiv: Es zeichnet sanfter als moderne 85er, ohne in bloße Unschärfe zu kippen, und erzeugt durch seine vielen Lamellen auch bei leichtem Abblenden ein angenehm geschlossenes Bokeh.

f2
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Bajonett: M39, M42, Contax/Kiev
Blendenstufen: f/2 – f/22
Blendenlamellen: 15
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 90 Euro

Marlena, GFX50R, f2

Marlena, GFX50R, f2
Das Jupiter-9 ist eine Kopie des Vorkriegs-Zeiss Sonnar 85/2.
Zenit Helios 40-2 85/1.5
Das Helios 40-2 überträgt das Prinzip des wirbelnden Helios-Bokehs in die klassische Portraitbrennweite. Mit 85 mm und einer Anfangsöffnung von f/1.5 entstehen eine extrem schmale Schärfezone und eine deutliche Trennung zwischen Motiv und Hintergrund. Zugleich wird der Swirl durch die längere Brennweite und die Nutzung der äußeren Bildbereiche am GFX-Sensor besonders sichtbar. Das kann bei sorgfältig gewählten Motiven eindrucksvoll aussehen, verlangt aber eine wesentlich bewusstere Hintergrundgestaltung als bei einem neutralen Portraitobjektiv.
Mechanisch ist das Helios 40-2 groß, schwer und wenig diskret. Auch preislich liegt es meilenweit über dem verbreiteten Helios 44-2. Seine Anschaffung lohnt sich meiner Meinung nach nicht – die Linse wird dem Hype nicht gerecht. Wenn genau diese Kombination aus 85-mm-Perspektive, hoher Lichtstärke und wirbelnder Randzeichnung sucht, würde ich eher zu deutlich billigeren Projektionsobjektiven greifen. Als allgemeines Portraitobjektiv bieten das Minolta 85 mm f/1.7, ein gutes Jupiter-9 oder das Schacht Travenar häufig das ausgewogenere Verhältnis aus Preis, Handhabung und Bildqualität.

f1.5
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/1.5 – f/22
Blendenlamellen: 10
Filtergewinde: 67mm
Gebrauchtpreise: ab 300 Euro

Cheyenne, GFX50R, f1.5
Abschnitt 5 — 90-120 mm
Schacht Ulm Edixa-Mat-Travenar-A 90/2.8
Das Schacht Ulm Edixa-Mat-Travenar-A 90 mm f/2.8 ist zwar weniger lichtstark als viele klassische Portraitobjektive, besitzt dafür eine ungewöhnlich aufwendige Blende mit sechzehn Lamellen. Die Öffnung bleibt dadurch auch beim Abblenden sehr rund, was den Übergang in die Unschärfe und die Form heller Bokehkreise positiv beeinflusst. Das Objektiv zeichnet Haut angenehm und verbindet eine klare Schärfeebene mit einem ruhigen, weichen Hintergrund.
Seine Brennweite liegt genau zwischen den verbreiteten 85- und 100-mm-Objektiven. An der GFX100 ergibt sich dadurch ein sehr natürlicher Portraitbildwinkel, der weder zu distanziert noch zu weit wirkt. Das Travenar ist außerdem deutlich seltener als vergleichbare Minolta-, Nikon- oder Pentaxobjektive, weshalb die Preise schwanken und gut erhaltene Exemplare nicht jederzeit verfügbar sind. Wer jedoch Wert auf ein klassisches deutsches Portraitobjektiv mit vielen Blendenlamellen und einer besonders harmonischen Unschärfe legt, findet hier eine charaktervolle, aber noch vergleichsweise vernünftig einsetzbare Alternative.

f2.8
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 16
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: ab 100 Euro

Lisa-Marie, GFX50R, f2.8
Tokina AT-X Macro 90/2.5
Eine weitere Linse, die in unserer Favoriten-Liste geblieben ist. Nicht umsonst wird dieses knackscharfe Objektiv auch „Bokina“ genannt. Allerdings ist die Macro-Funktion nur mit einem recht starken Croppen möglich, was bei 100 MP aber noch immer massig Pixel übrig lässt.

f2.5
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Bajonett: Minolta SR, C/Y (Contax/Yashica), Canon FD, Nikon F, Olympus OM, Pentax K
Blendenstufen: f/2.5 – f/32
Blendenlamellen: 8
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 200 Euro

Jana-Marie, GFX50R, f2.5
Ende der 1970er Jahre beauftragte die US-amerikanische OEM-Firma Vivitar das japanische Unternehmen Tokina damit, ein 90mm Makroobjektiv zu bauen. Heraus kam das Vivitar Series 1 90mm f/2.5, das zu den besten Makroobjektiven in diesem Brennweitenbreich gehörte. Rund 10 Jahre später baute Tokina den direkten Nachfolger mit identischer Linsenarchitektur, aber verbesserter Vergütung und in einem leichteren Gehäuse, das legendäre Tokina AT-X MACRO 90mm f/2.5. Auf Grund des Renderings der Unschärfekreise und Hintergründe “Bokina” genann, gehört das Tokina bis heute mit zu den besten Altgläsern, übertroffen wurde es in dieser Brennweite nur von den späteren und erheblich teureren Olympus OM Zuiko Auto-Macro 90mm f/2.0 und dem Carl Zeiss Makro-Planar 100mm f/2.0.
Das Tokina AT-X MACRO 90mm f/2.5 zeigt bereits bei Offenblende eine sehr gute Schärfe in der Bildmitte und eignet sich da bereits für scharfe Porträtfotos bei gleichzeitig weichgezeichnetem Hintergrund und schönem, ausgewogenem Bokeh. Schon ab f/4 und f/5.6 erreicht das Objektiv seine besten Leistungen, es ist scharf über den gesamten Bildkreis. Der Vorteil der Objektivrechnung besteht nicht nur in der Möglichkeit von Makroaufnahmen bis Faktor 1:2, die Leistungen bleiben von Nah- bis Fernbereich erstklassig. Leider ist das Tokina wie viele Altgläser empfindlich für Gegenlicht und neigt zu unschönen Flares, eine Gegenlichtblende ist unbedingt zu empfehlen.

Extremes Closeup an der GFX50R
Keine Vignettierung bei normaler Verwendung – bei extremen Close-Ups durch den extrem langen Fokusweg eines Macros eine sehr starke Vignette. Aber natürlich sind bei den Auflösungen der GFX-Kameras problemlos Crops möglich.
Minolta MD Tele Rokkor 100/2.5
Das Minolta MD Tele Rokkor 100 mm f/2.5 besetzt eine Brennweite, die heute selten geworden ist. Es bietet etwas mehr Distanz und Hintergrundverdichtung als ein 85-mm-Objektiv, bleibt aber beweglicher und leichter einzusetzen als ein klassisches 135er. Am GFX-Sensor entspricht sein Bildwinkel ungefähr dem eines 80-mm-Objektivs am Kleinbildformat und liegt damit in einem für Portraits ausgesprochen angenehmen Bereich.
Schon bei Offenblende ist die Schärfeebene klar und präzise, ohne dass das Bild modern oder klinisch wirkt. Das Bokeh besitzt jene harmonische, leicht zurückhaltende Anmutung, die viele Minolta-Rokkore auszeichnet: Es ist weich, lässt aber genügend Struktur stehen, um nicht künstlich zu wirken. Gegenüber dem Minolta 85 mm f/1.7 fehlt die ausgeprägte Offenblendweichheit, dafür ist das 100er berechenbarer und technisch gleichmäßiger. Wer innerhalb des Minolta-Systems nur ein einziges manuelles Kurztele für die GFX wählen möchte, findet hier einen besonders überzeugenden Kompromiss aus Lichtstärke, Schärfe, Größe und Portraitwirkung.

f2.5
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Bajonett: Minolta MD
Blendenstufen: f/2.5 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 100 Euro

Svenja, GFX50R, f8
Schon bei Offenblende ist das Objektiv scharf, die Bilder zeigen das Minolta-typische, einheitliche und harmonische Rendering.
TTartisan D1-optica Bubble Bokeh 100/2.8
Das TTArtisan 100 mm f/2.8 Bubble Bokeh ist kein historisches Altglas, sondern eine aktuelle Konstruktion, die bewusst an den Seifenblasenlook klassischer Triplet-Objektive erinnert. Der Hersteller vermarktet es ausdrücklich wegen dieser stark umrandeten Unschärfekreise. Besonders sichtbar werden sie bei punktförmigen Lichtquellen, Reflexen in Laub oder fein strukturierten Hintergründen. Eine gleichmäßig graue Wand wird dagegen auch mit diesem Objektiv keine spektakulären Seifenblasen hervorbringen.
Die Schärfe in der Bildmitte ist bereits bei Offenblende gut genug, um das Motiv klar von der bewusst unruhigen Umgebung abzugrenzen. An der GFX100 lässt es sich dadurch gut für zentrierte Portraits und Details einsetzen. Die aktuelle M42-Version besitzt eine Metallfassung und eine rastende Blende, lässt sich also mit einem einfachen Adapter verwenden. Der Vorteil gegenüber einem alten Original liegt in der kalkulierbaren Mechanik und dem fehlenden Risiko starker Serienstreuung. Es ist kein universelles Portraitobjektiv, sondern ein preiswertes Spezialwerkzeug für einen sehr bestimmten, sofort erkennbaren Bokeheffekt.

f2.8
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/2.8 – f/16
Blendenlamellen: 13

Mara, GFX50R, f2.8
Abschnitt 6 — 135 mm
Mamiya Auto Sekor SX 135/2.8
Das Mamiya Auto Sekor SX 135 mm f/2.8 gehört zu jenen klassischen Teleobjektiven, die auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen, an der GFX aber einen sehr stimmigen Charakter entwickeln. Die Randabdunklung bleibt weich und lässt sich meist ohne auffällige Korrekturartefakte reduzieren. Zugleich erzeugt das Objektiv ein cremiges, leicht zurückgenommenes Bokeh, das Portraits eine deutlich historische Anmutung verleiht, ohne das Motiv mit extremen Effekten zu überlagern.
Seine Schärfe ist bei Offenblende ausreichend, aber nicht aggressiv. Gerade bei Haut kann das angenehmer wirken als die oft sehr harte Detailzeichnung moderner Teleobjektive. Abgeblendet steigt die Klarheit deutlich, während der grundsätzliche Charakter erhalten bleibt. Im Vergleich zum häufigeren Minolta 135 mm f/2.8 wirkt das Mamiya individueller und weicher; gegenüber exotischen Seifenblasen- oder Swirlobjektiven bleibt es jedoch leicht kontrollierbar. Da die Mamiya-SX-Reihe weniger gesucht wird als bekannte Zeiss-, Nikon- oder Pentaxobjektive, ist das 135er oft erstaunlich günstig zu finden.

f2.8
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: unter/um 50 Euro

Jana-Marie, GFX50R, f2.8

Lisa-Marie, GFX50R, f2.8
MC Jupiter 37A 135/3.5
Das Jupiter-37A ist eines der überzeugendsten sowjetischen Teleobjektive für die GFX100. Seine Konstruktion orientiert sich an der klassischen Sonnar-Familie und verbindet eine kompakte Bauweise mit zwölf Blendenlamellen. Dadurch bleibt die Öffnung auch abgeblendet vergleichsweise rund, und der Hintergrund zerfällt weniger schnell in deutlich polygonale Spitzlichter. Gute Exemplare sind bereits bei Offenblende scharf und erzeugen ein ruhiges, leicht klassisches Bokeh.
Die mehrschichtvergütete MC-Version ist vorzuziehen, dennoch bleibt das Objektiv empfindlich gegenüber Streulicht und Reflexen vom digitalen Sensor. Eine tiefe Gegenlichtblende verbessert Kontrast und Farbsättigung erheblich. Bei normalen Portraitentfernungen reicht der Bildkreis gut aus; im Nahbereich kann durch den stärkeren Auszug eine harte Randabschattung auftreten. Auch hier gilt die bei sowjetischen Objektiven übliche Einschränkung: Zustand und Zentrierung des einzelnen Exemplars sind wichtiger als die Beschriftung auf dem Frontring. Ein gutes Jupiter-37A bietet jedoch eine bemerkenswert hohe Abbildungsleistung und viel Charakter zu einem weiterhin überschaubaren Preis.

f3.5
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Bajonett: M42
Blendenstufen: f/3.5 – f/22
Blendenlamellen: 12
Filtergewinde: 52mm
Gebrauchtpreise: ab 50 Euro

Malin, GFX50R, f3.5
Minolta MC Tele Rokkor 135/2.8
Das Minolta MC Tele Rokkor 135 mm f/2.8 ist kein spektakuläres Effektobjektiv, sondern ein solides, preiswertes und leicht zu beherrschendes Tele. Es leuchtet den GFX-Sensor ausreichend aus und liefert eine zuverlässige Portraitabbildung, ohne durch extreme Randfehler oder auffällige Bokehstrukturen vom Motiv abzulenken. Wer bereits andere Minolta-Rokkore nutzt, kann zudem mit demselben Adapter weiterarbeiten und erhält eine mechanisch vertraute Ergänzung.
Im direkten Vergleich bleibt das 135er allerdings hinter den stärksten Alternativen dieser Liste zurück. Das Minolta 100 mm f/2.5 wirkt bei Offenblende präziser und harmonischer, während das Mamiya 135 mm f/2.8 das individuellere, cremigere Bokeh besitzt. Das Tele Rokkor ist daher weniger eine gezielte Charakterlinse als eine vernünftige Basislösung: günstig, gut verfügbar und optisch ohne gravierende Schwächen. Für den Einstieg in längere Altglasbrennweiten ist es sehr geeignet; wer bereits mehrere 135er besitzt und nach einer unverwechselbaren Bildsprache sucht, findet anderswo deutlichere Unterschiede.

f2.8
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Bajonett: Minolta MD
Blendenstufen: f/2.8 – f/22
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 25 Euro
Für ganz kleines Geld bietet das Minolta analog zu den in großen Stückzahlen produzierten 135mm-Objektiven aller großen Hersteller eine solide Leistung, es ist aber nicht ganz so scharf wie das Tele Rokkor 100/2.5 und nicht so individuell in der Bildwirkung wie das Mamiya/Rollei 135/2.8.

GFX50R, f2.8
Abschnitt 7 — über 135mm
Meyer Görlitz Orestegor 200/4
Wir müssen gestehen: Wir hatten das Objektiv bei unserem Versuch total vergessen, da es sich in einer anderen Schublade befand. Irgendwann kann man tatsächlich die Übersicht verlieren. Das ist deswegen etwas schade, da das Orestegor tatsächlich ohne Vignette an der GFX funktioniert – alles andere als eine Selbstverständlichkeit in diesem Brennweitenbereich. Bei Offenblende ist die Darstellung am 100-Megapixel-Sensor sichtbar weich und erreicht nicht die Detailauflösung moderner Teleobjektive. Für Portraits oder bewusst nostalgische Aufnahmen kann gerade diese sanftere Zeichnung jedoch reizvoll sein.
Der Charakter ist eindeutig historisch: moderater Kontrast, weiche Übergänge und eine weniger perfekt korrigierte Darstellung als bei heutigen Konstruktionen. Abblenden verbessert die Detailzeichnung, ohne das Objektiv vollständig seiner Eigenart zu berauben. Das Orestegor ist somit keine Empfehlung für maximale technische Perfektion, wohl aber ein interessantes langes Tele für einen sichtbar klassischen Look.

GFX100S, f4
Abschnitt 8 — Zoom-Objektive
Minolta MD Zoom 35-70/3.5
Das Minolta MD Zoom 35–70 mm f/3.5 ist eines der wenigen manuellen Standardzooms, die an der GFX100 wirklich sinnvoll eingesetzt werden können. Bei 35 mm entstehen noch klar abgegrenzte schwarze Ecken. Bereits ab ungefähr 42 mm verschwindet die harte Vignette jedoch weitgehend, und mit einem moderaten Beschnitt auf das Kleinbild-Seitenverhältnis 2:3 lässt sich der nutzbare Bereich noch etwas erweitern. Damit deckt das Objektiv an der GFX einen praktischen Bereich vom leichten Weitwinkel bis zum kurzen Portraittele ab.
Empfehlenswert ist die spätere Version mit Makroeinstellung. Sie gilt gegenüber den früheren Fassungen als die ausgereiftere Konstruktion und verbindet eine konstante Lichtstärke von f/3.5 mit kompakter Bauweise. Schon offen sind Schärfe und Kontrast erstaunlich gut, auch wenn gute Festbrennweiten an den Bildrändern überlegen bleiben. Für Reisen, Spaziergänge und Situationen, in denen ein häufiger Objektivwechsel lästig wäre, ist das Minolta dennoch ausgesprochen attraktiv. Sein größter Vorteil ist nicht ein extremer Altglaslook, sondern die seltene Kombination aus brauchbarem Bildkreis, mechanischer Qualität und echter Zoomflexibilität.

bei 70mm, f3.5
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Download entwickeltes jpeg in Originalgröße (Farbe) bei ca. 42mm
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Bajonett: Minolta SR (MC, MD)
Blendenstufen: f/3.5 – f/22
Blendenlamellen: 7
Filtergewinde: 55mm
Gebrauchtpreise: ab 50 Euro

Marlena, GFX50R, f3.5
Minolta MD Zoom 75-150/4
Das Minolta MD Zoom 75–150 mm f/4 gehört zu den am stärksten unterschätzten Objektiven dieser Auswahl. Sein vergleichsweise kleiner zweifacher Zoombereich erleichterte eine gleichmäßige optische Korrektur, und genau das zeigt sich an der GFX100: Mit einem guten Exemplar bleibt die Detailzeichnung auch am 100-Megapixel-Sensor überraschend hoch. Gleichzeitig erzeugt das Objektiv ein angenehmes, ruhiges Bokeh und eignet sich dadurch sehr gut für Portraits, Details und Landschaftsausschnitte.
Entscheidend ist die Wahl des Adapters. Mit einem direkten Minolta-SR-auf-GFX-Adapter entstehen keine harten schwarzen Ecken. Eine Kombination aus mehreren Adaptern kann dagegen durch zu enge innere Öffnungen eine künstliche mechanische Vignette verursachen, die fälschlich dem Objektiv zugeschrieben wird. Das 75–150 mm ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass bei Mittelformatadaptionen nicht nur der optische Bildkreis, sondern auch der freie Durchmesser des gesamten Adapterwegs zählt. Als kompaktes manuelles Telezoom bietet es eine ungewöhnlich praktische Ergänzung zu den zahlreichen Festbrennweiten.

bei 150mm, f4
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Bajonett: Minolta SR (MC, MD)
Blendenstufen: f/4 – f/32
Blendenlamellen: 6
Filtergewinde: 49mm
Gebrauchtpreise: unter 100 Euro
Das folgende Bild ist das Ergebnis des Sandwich-Adapters …

Harte Vignette durch Sandwich-Adapter, GFX50R, f4

Mit einem Direktadapter gibt es keine Probleme mit harter Vignette. GFX100S, f4
Anhang
Natürlich würden sich solche Listen nahezu endlos weiterführen lassen. Wir können leider nicht alle Linsen, die an der GFX funktionieren würden, hier in dieser Ausführlichkeit mit Testmotiv und Datendownload vorstellen. Aber ich liste hier gerne noch die Linsen auf, die ebenfalls an der GFX100S funktionieren und ab und an von mir ebenfalls genutzt werden.
Rollei HFT Planar 50/1.8
Der günstige Carl Zeiss Ultron Klon (obacht: das Voigtländer Color Ultron entspricht trotz des gleichen Namens nicht dem Zeiss). Trotz Sandwich-Adapter auf Grund des QBM-Mounts mit erstaunlich geringer und gut zu bearbeitender Vignette.

GFX100S, f1.8
FED Industar 61 52/2.8
Das FED Industar-61 52 mm f/2.8 ist ein sehr kleines und leichtes Normalobjektiv, das an der GFX100 trotz seiner Herkunft aus dem sowjetischen Messsuchersystem brauchbar eingesetzt werden kann. Gegenüber älteren Industar-Varianten wie dem Industar-26M wirkt es klarer und detailreicher. Seine Lichtstärke ist gering, und das Bokeh gehört nicht zu den Hauptgründen für die Anschaffung. Dafür eignet es sich als ausgesprochen kompakte Lösung für Tageslicht, Stadtansichten und bewusst schlicht gehaltene Aufnahmen. Beim Kauf ist auf die genaue Ausführung und den Anschluss zu achten, da unter der Bezeichnung Industar-61 mehrere Varianten für unterschiedliche Kamerasysteme existieren.

Fujifilm GFX100S, Industar 61 52/2.8
Nikon Nikkor-P Auto 105/2,5
Das Nikkor 105 mm f/2.5 gehört zu den bedeutendsten klassischen Nikon-Portraitobjektiven. Die Geschichte der Brennweite reicht bei Nikon bis zum 1954 vorgestellten 10,5-cm-Nikkor zurück; eine Nikkor-P-Auto-Version gehörte 1959 bereits zum frühen Nikon-F-System. Da Nikon die optische Konstruktion während der langen Produktionszeit veränderte, sollte die genaue Fassung anhand von Gehäuseform und Seriennummer bestimmt werden. An der GFX100 überzeugen gute Exemplare mit klarer Schärfe, angenehmer Hintergrundtrennung und einem ausreichend großen Bildkreis. Es ist weniger weichzeichnend als manche sowjetischen oder deutschen Alternativen, verbindet aber klassischen Portraitcharakter mit hoher Alltagstauglichkeit.

GFX100S, f2.5
Ashai SMC Pentax 135/2,5
Das SMC Pentax 135 mm f/2.5 ist lichtstärker als die große Mehrzahl klassischer 135-mm-Objektive und erzeugt dadurch bereits bei Offenblende eine deutliche Motivtrennung. An der GFX100 reicht der Bildkreis aus, während die SMC-Vergütung für einen vergleichsweise kräftigen Kontrast sorgt. Das Objektiv ist größer und schwerer als typische 135er mit f/2.8 oder f/3.5, bietet dafür aber mehr Reserven bei schwachem Licht und eine besonders geringe Schärfentiefe. Gegenüber dem Tair-11A wirkt es technisch präziser; wer ein sehr weiches oder auffällig historisches Bokeh sucht, könnte dessen eigenwilligere Darstellung dennoch bevorzugen.

GFX100S, f2.5
Tair 11-A 135/2.8
Das Tair-11A ist vor allem wegen seiner aufwendigen Blende mit sehr vielen Lamellen interessant. Auch beim Abblenden bleibt die Öffnung nahezu rund, sodass Spitzlichter und Unschärfekreise ihre Form behalten. Das Bokeh wirkt dadurch besonders geschlossen und ruhig. Bei der reinen Detailauflösung erreicht mein Exemplar nicht ganz das Niveau des SMC Pentax 135 mm f/2.5, besitzt aber den ausgeprägteren historischen Charakter. Wie bei anderen sowjetischen Objektiven sollten Zentrierung, Blendenmechanik und Fokussierung sorgfältig geprüft werden. Ein gutes Tair ist kein leichtes Reiseobjektiv, aber ein sehr schönes Spezialwerkzeug für Portraits mit weich verlaufendem Hintergrund.

GFX100S, f2.8
Ashai SMC Pentax 200/2,5
Das SMC Pentax 200 mm f/2.5 ist für seine Brennweite ungewöhnlich lichtstark und erzeugt an der GFX100 eine sehr starke Hintergrundverdichtung. Der Sensor wird ohne harte Vignette ausgeleuchtet. Bei Offenblende bleibt die Darstellung etwas weich und kontrastärmer, was bei Portraits durchaus schmeichelhaft wirken kann. Abgeblendet steigt die Schärfe deutlich. Größe und Gewicht sind erheblich, sodass eine stabile Kamerahaltung oder ein Stativ sinnvoll ist. Wer die Kombination aus langer Brennweite, geringer Schärfentiefe und klassischer Wiedergabe sucht, erhält ein eindrucksvolles Objektiv; für spontane oder unauffällige Fotografie ist es dagegen kaum geeignet.

GFX100S, f2.5
Itorex Auto Zoom MC 80-205/3.8
Das Itorex Auto Zoom MC 80–205 mm f/3.8 ist ein typisches Beispiel dafür, dass eine unbekannte Handelsmarke nicht automatisch für ein uninteressantes Objektiv stehen muss. Mein 19€-Exemplar erzeugt zwar eine sichtbare Randabdunklung, doch lässt sich diese mit einem moderaten Beschnitt gut beherrschen. Im Gegenzug liefert das Zoom ein überraschend cremiges, sichtbar historisches Bokeh und eine für seinen geringen Gebrauchtpreis überzeugende Abbildungsleistung.

GFX100S, f3.8
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Thank you for the nice blog post and sample images.
I have few of them and as you wrote, they are very good. I also like the Nikon 105 f2.5 AKA Afghan Girl.
My only criticism would be; it is impossible to find most lenses at the prices you have written. Especially Minoltas. Rokkor 85 1.7 on ebay around 400-450 Euros. Thanks again.
Many prices are subject to fluctuations. It always depends on when and where you look. On eBay, we always keep an eye on Japanese dealers, who sometimes have lower prices than European dealers, especially for Minolta lenses.
We have also bought many lenses in Facebook groups or in special message boards such as the Digicam Forum. There are often better offers than on eBay – but of course with more risk.
Hallo,
als erstes möchte ich meinen Dank aussprechen für die Veröffentlichung und die damit verbundene Arbeit. Ich habe auch den zugehörigen Podcast 2,5x gehört und betrachte das als Standardwerk!
Noch bin ich zufriedener X-Mount-User, doch irgendwie rumort G-Mount unaufhörlich in meinen Gedanken. Aktuell beschäftigt mich da eine Sache und es wäre schön wenn von dieser Adresse dazu eine Meinung rückgekoppelt werden könnte, bitte.
Zwei Quellen veranlassten mich dazu einen leicht kritischen Blick auf den 102MP-Sensor zu werfen. Vergleichsbilder zwischen dem guten alten 51MP Sensor in der 50R/S/Sii und der 100S erwecken den Eindruck als ob der 100er leichte Schwächen in den Mikrokontrasten zeigt. Bisher dachte ich die Konstruktion des Objektivs alleine hätte Auswirkungen auf das „Rendering“ aka Zeiss 3D-Pop… Die Bilder aus dem 100er wirken aber eine Spur flacher, zumindest bei dem Material das ich gesichtet habe.
Nun die eigentliche Frage: Konntet ihr bei euren Tests Unterschiede zwischen den Sensoren erkennen in Punkto Mikrokontrasten?
Viele Grüße
Gabriel
Danke erstmal für Dein Lob – das freut uns sehr :-).
Wir hatten bei dem Test leider keinen direkten Vergleich zwischen meiner 50R und der geliehenen 100S gemacht, aber ich werde mir durch das Cashback animiert wahrscheinlich die 100S im März kaufen, dann könnte ich ein identisches Modell mit dem gleichen Objektiv mit der 50R und der 100S im direkten Vergleich aufnehmen. Du müsstest mir dann nur die Wunschlinse und ein Wunschmotiv nennen …