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Fujifilm — Kameras für Einsteiger und Altglas-Liebhaber

Etwas mehr als ein halbes Jahr ist nach Veröffentlichung dieses Artikels ins Land gezogen und ich fühle mich gezwungen, ihn doch etwas anzupassen. Während es einige Zeit lang total einfach war, vollen Herzens Fujifilm in nahezu allen Belangen zu empfehlen, wird es angesichts der Konkurrenz immer schwieriger. Klar, die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch in der Fotografie nicht. Am Ende muss man sich immer entscheiden, was genau man sucht und in welchem Bereich man dann die bittere Pille schluckt.

Das Problem, was auch dazu führte, dass ich mich mit klaren Empfehlungen inzwischen schwerer tue, ist die Achilles-Verse von Fujifilm: Der Autofokus. Zwar war das noch nie Fujifilms Stärke, aber wenn man sich die Fortschritte und Qualität der Konkurrenz anschaut, während Fujifilm komplett auf der Stelle tritt und lieber eine überteuerte Spielzeugkamera nach der anderen raushaut, ist dies für ambitionierte Hobbyisten und professionelle Fotografen mehr als ärgerlich. Dabei können die Flagschiffe der APS-C Kameras aus der X-Serie in Sachen Bildqualität locker mit Vollformat-Kameras mithalten. Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wäre …

Klar, nicht jeder braucht einen Autofokus auf dem Stand der Canon R6 Mark III. Wer wirklich reine Portraitfotografie ohne Action-Motive und Landschaftsfotografie macht, kommt mit Fujifilm bestens klar. Der Autofokus sitzt bei diesen Situationen problemlos. Wo Fujifilm deutliche Probleme hat ist mit der kontinuierlichen Fokussierung von bewegten Objekten und je schneller / erratischer die Bewegung, desto schwieriger ist es. Wenn dann der Objekt-Kontakt verloren wird (z.B. weil das anvisierte Auge kurzzeitig verschwunden ist), ist Schicht im Schacht, während die Canon R6 Mark III gnadenlos am Motiv kleben bleibt. Nur: Wer im Jahr 2026 bewegte Motive wie Ballerinas im Sprung, Skateboarder in Action o.ä. fotografiert, kann den Leuten nicht mehr x-fach erzählen, dass das Motiv noch mal geschossen werden muss, weil die Kamera im entscheidenden Moment den Fokuspunkt verloren hat, während 99% der Kolleg:innen, die mit anderen Systemen arbeiten, es im ersten Durchgang hinbekommen.

Wenn Du für Dich aber festgestellt hast, dass Du einen so Action-orientierten Autofokus nicht brauchst, dann können wir uns gerne weiter mit der Fujifilm beschäftigen, denn es gibt durchaus auch Gründe, die für die Kamera sprechen können.

Einsteiger

Wenn man in die Fotografie einsteigt, dann unterstelle ich mal, dass in den meisten Fällen auch noch keine oder nur sehr wenig Erfahrung mit der Bildbearbeitung vorliegt. Also sind solche Kameras eher von Vorteil, wo die Bilder am Ende schon fertig und extrem ansehnlich aus der Kamera herauskommen, ohne dass man sich erstmal mit RAW-Entwicklung und anderen Bearbeitungsprozeduren auseinandersetzen muss. Auch wenn Nikon inzwischen auch nachgelegt hat, haben die Filmsimulationen von Fujifilm und die JPEG-Rezepte, die Nikon „kopiert“ hat, noch immer deutlich die Nase vorn. Dabei ist man auf den Look, den man bei der Aufnahme definiert hat, nicht für alle Zeiten festgelegt – wenn man zusätzlich in RAW fotografiert. Andere Looks kann man nämlich mit XRAW-Studio, einem extrem leicht zu benutzendem Programm, auch noch auf seine bestehende Bilder anwenden, ohne dass man sich viel mit der Bildbearbeitung auseinandersetzen muss. Wenn man dann im Fotografieren selbst firm ist, kann man sich noch immer mit den RAW-Dateien und der Bildbearbeitung auseinander setzen — muss es aber nicht zwingend. Die X-Serie von Fujifilm bietet inzwischen zahlreiche Kameramodelle und entsprechende Wahlmöglichkeiten an.

Screenshot XRAW-Studio

Wer den Retro-Look mag, wird inzwischen auch bei Nikon fündig, aber die APS-C Kameras von Fujifilm gewinnen durchaus im Größenaspekt. Sie sind kleiner und leichter, liegen aber trotzdem noch gut in der Hand. Nikon bietet zwar Vollformat in der Z f, Fujifilm in den neueren Kameras aber mehr Megapixel. Darüber hinaus hat Fujifilm beispielsweise einen gewaltigen Vorteil gegenüber den APS-C Kameras von Canon: Fujifilm hat den Mount auch für Drittanbieter geöffnet, so dass es inzwischen eine riesige Bandbreite fantastischer Objektive unter anderem von Sigma, Tamron, TTartisan und Viltrox gibt.

Man sollte nur vorsichtig sein, danach in manchen Gruppen zu fragen. Leider ist vielen Fujifilm-Fanboys alles, was nicht Fujifilm-Objektive sind, ein Sakrileg. Ich kenne eigentlich nur eine Marke, wo der Markenfetischismus größer ist als bei Fujifilm. Wenn man es allerdings nüchtern und mit einem klaren Preis-Leistungs-Blick betrachtet, muss man leider sagen, dass die Objektivpreise von Fujifilm gnadenlos überzogen sind und man hervorragende Alternativen in allen Brennweitenbereichen von Drittanbietern bekommt.

Altglas-Liebhaber

Wer den Charme des Unperfekten sucht, für den gibt es eigentlich keine besseren Kameras als die der Fujifiilm GFX-Serie. Der besondere Charakter der alten Objektive liegt vor allem in dem, was eigentlich Fehler sind und bei den modernen Objektiven inzwischen derart herausgerechnet worden sind, dass sie schon aseptisch kühl wirken. Das, was viele mit dem „analogen Look“ gleichsetzen, kommt weniger durch den Film als durch die Linsen der damaligen Zeit (siehe auch den entsprechenden Artikel in den „Gedanken zur Fotografie – 2“). Besonders in den Randbereichen sind die „Fehler“ anzutreffen und wer ein Helios 44-2 mal an einer APS-C-Kamera hatte weiß, wie enttäuschend klein da der Swirl herüber kommt. Der Mittelformat-Sensor der GFX-Reihe bildet nun mehr von den Randbereichen eines Objektivs ab, als es beim Vollformat der Fall wäre und entsprechend mehr von dem Charakter macht sich oft breit.

Und selbst an einer GFX braucht das Helios 44-2 auch entsprechende Hintergründe um so „richtig“ zu swirlen …

Wer schon mal Objektive für ein kleineres Format (z.B. APS-C) an ein größeres Format (in dem Fall dann Vollformat) geschraubt hat, wird sicher stutzen und denken, dass das wegen einer massiven Vignettierung eigentlich nicht möglich sein sollte. Aber: Sehr viele Vollformat-Objektive haben einen deutlich größeren Bildkreis, so dass sie selbst den GFX-Sensor ausleuchten können. Manche mit mehr (aber oft sehr korrigierbarer), manche mit weniger (oder gar keiner) Vignettierung. Und selbst, wenn es von der Vignettierung her scheinbar gar nicht geht (was besonders häufig im Weitwinkel und stärkeren Telebereich der Fall ist), dann haben die neueren Generationen der 50er und 100er Kameras eine kleine „Geheimwaffe“ — den 35mm Crop-Modus des Sensors, der aus dem Mittelformat-Sensor einen einfachen Vollformat-Sensor macht und das Problem der Vignette somit löst. Bei der GFX100-Serie bleiben so trotzdem noch satte 60MP übrig und bei der GFX50SII immerhin 30MP. Aber wie Nils Pooker und ich in einem großen Test schon gezeigt hatten: Es findet sich eigentlich in jedem Brennweitenbereich etwas mit akzeptabler Vignette auch am ganzen Sensor, inklusive exotischen Vergrößerungs- und Projektionsobjektiven.

35KP 120/2.8 Projektionsobjektiv an der GFX50R

Auch für Fans der geringen Tiefenschärfe hat der große Sensor einen entsprechenden Vorteil, da die mögliche Tiefen(un)schärfe abhängig von der Film- beziehungsweise Sensor-Größe ist. Deswegen kann ein Handy auch nur mit Software-Einsatz (mehr schlecht als recht) für ein entsprechendes Bokeh sorgen.

Revue Revuenon MC 55/1.2 komplett offenblendig an der GFX100S

Nicht nur, dass man durch das vergleichsweise sehr geringe Auflagemaß der GFX-Kamera nahezu jedes Objektiv adaptiert bekommt, kann man zudem noch die ganze Welt der Mittelformat-Objektive sinnvoll an der GFX adaptieren, wobei ich denjenigen, die Charakter suchen, insbesondere Objektive mit dem Pentacon Six Mount empfehlen würde. Diese Mittelformat-Objektive sind dann auch natürlich komplett ohne Vignette nutzbar.

Fujifilm GFX50R & Kiev Vega 28b 120/2.8

Theoretisch lassen sich auch die GFX-Kameras an 4×5“ Großformat-Kameras adaptieren, so dass dann selbst exotische Legenden wie das Kodak Aero Ektar nutzbar sind, aber hier merkt man schon schnell, dass die Großformat-Objektive größere Probleme haben, für solch moderne Sensoren aufzulösen als es beim Film noch der Fall war. Einige Adaptations-Möglichkeiten habe ich übrigens hier dargestellt.

Fujifilm GFX50R an einer Graflex-Großformat-Kamera adaptiert

Apropos Kodak Aero Ektar und andere (legendäre) radioaktive Objektive: Ja, es gibt sie und ja, sie sind radioaktiv. Aber tatsächlich sind sie vom Grundsatz her harmlos, auch wenn da viel falsches Wissen durchs Netz wabert. Deswegen hatte ich mich mal mit einem Professor vom Strahlenschutzseminar der Universität Kiel darüber unterhalten. Hier geht es zum entsprechenden Blog-Artikel.

GFX50R adaptiert an einer Graflex mit dem Kodak Aero Ektar 178/2.5

Autofokus an der GFX muss nicht teuer sein

Ich höre immer wieder, dass viele vor der GFX zurückschrecken, weil die GF-Objektive so extrem teuer sind (was meist aber von Leuten kommen dürfte, die sich noch nicht die Preise von Canons RF-Objektiven angeschaut haben). Für beide Parteien (sowohl GFX als auch Canon R) kann man sagen: Ihr müsst ja auch gar keine GF-/R-Objektive kaufen! An beiden Kameras lassen sich über einen Adapter sämtliche Objektive mit dem Canon EF Mount wie native Objektive nutzen! Und da gibt es extrem viele wunderbare Objektive mit tollem Look zu günstigem Preis. Objektive, die sogar auf dem vollen Sensor der GFX funktionieren. Welche EF-Objektive ich an meiner GFX nutze, habe ich in diesem Blog-Artikel vorgestellt.

Fujifilm GFX100S mit Sigma Art 85/1.4 und Fringer Adapter

Synergieeffekte

Es können auch zwei Kamera-Systeme Sinn machen – je nach individuellen Vorlieben und Bedürfnissen. So lassen sich die JPEG-Rezepte einer Fujifilm X auch an einer GFX nutzen. Teilweise muss man etwas tweaken, da die X-Reihe den X-Trans-Sensor hat und die GFX-Reihe mit einem herkömmlichen Bayer-Pattern arbeitet, aber oft sind die Ergebnisse erstaunlich identisch. Auch kann es ganz angenehm sein, wenn man zu einem vergleichsweise großen und schweren System (GFX), ein kleines, sehr mitnahmefreundliches System (X) hat.

Wem beste Autofokus-Performance wichtig ist und doch gerne mal mit Altglas und/oder extrem hoher Auflösung arbeiten möchte, kann dafür sehr gut das Canon R System mit der GFX-Reihe nutzen und mittels Adapter an beiden Kameras Canon EF Linsen wie native Linsen benutzen. So einen Adapter für EF-Glas gibt es zwar auch für die Fujifilm X-Reihe, aber ob die riesigen EF-Objektive an einer X-Kamera wirklich Sinn machen, darf angezweifelt werden.

Fujifilm GFX100S mit Canon EF 100/2 und Fringer Adapter

Keine neuen Fujifilm APS-C Kameras für Altglas kaufen

Die neuesten X-Kameras mit ihren 40 MP Sensoren sind nicht mehr wirklich für Altglas geeignet, da hier eine Pixeldichte erreicht wurde, die viele Altgläser in die Knie gehen lässt. Sprich das Objektiv schafft es nicht mehr, das Subjekt / Objekt auf dem Sensor scharf abzubilden. „Opfer“ sind z.B. das Ashai SMC Takumar 55/1.8 oder das Minolta Varisoft, die an der X-T5 nicht mehr brauchbar sind. Wenn man sich denkt „nanu, warum gehen 60 MP auf Vollformat und gar 100 MP auf einem kleinen MF-Sensor, aber geringe 40 MP an einem APS-C Sensor nicht, dann muss man wissen, dass die die relative Pixeldichte von der APS-C Kamera in diesem Fall anderthalb mal höher ist, als die der Vollformat oder GFX Kamera.

Nur mit dem reinen Crop-Faktor darf man nämlich nicht arbeiten, wenn man die Pixeldichte berechnen will. Berechnen lässt sich die relative Pixeldichte wenn man das Vollformat als Referenz nimmt, wie folgt: Megapixel der fraglichen Kamera geteilt durch die Megapixel der Referenzkamera mal dem Quadrat aus dem Bruch vom Cropfaktor der fraglichen Kamera geteilt durch den Cropfaktor der Referenz. Oder leichter, wenn die Referenz eine 60 MP Vollformat-Kamera ist, die den Cropfaktor 0 hat: Die Megapixel der Zielkamera geteilt durch 60, multipliziert mit dem Quadrat des Cropfaktors der fraglichen Kamera.

Bei den 40 MP der X-Kameras sind das 40 geteilt durch 60 mal dem Quadrat vom Cropfaktor 1,5. Also 0,667 x 2,25, was einer relativen Pixeldichte von 1,5 entspricht.

Bei den 100 MP der GFX Kameras sind das 100 geteilt durch 60 mal dem Quadrat vom Cropfaktor 0,79. Also 1,667 x 0,624, was einer relativen Pixeldicht von ungefähr 1,04 entspricht.

Sprich: Wenn 100 MP an der GFX, bzw. 60 MP im gecroppten Vollformat relativ save sind, dann liegt die vergleichbare maximale Obergrenze bei APS-C Kameras bei ca. 27 MP. Alles darüber sollte man auf keinen Fall für Altglas in Betracht ziehen, lieber deutlich weniger.

Fujifilm GFX100S, Ashai SMC Takumar 55/1.8

Aber obacht

Wer sich für Fujifilm interessiert, sollte aber immer den Markt ein wenig beobachten und ein Gefühl dafür bekommen, was für Kameras am Horizont sind, da man bei Fujifilm eigentlich nie zu normalen Konditionen einkaufen, sondern immer auf die zahlreichen Cashback-Aktionen warten sollte, die teilweise so heftig sind, dass Leute, die zum normalen Preis noch gekauft haben, sich teilweise tief in den Allerwertesten beißen könnten. Der Extremfall war die Fujifilm GFX100S, die kurz vor der (noch nicht kommunizierten, aber schon bekannten) Einführung der GFX100II mit unfassbaren 1600 Euro Cashback angeboten wurde. Normalerweise sind die Unterschiede etwas weniger eklatant und Fujifilm wollte hier wohl noch mal die Lager räumen, aber auch schon ein paar hundert Euro „zu viel“ ausgegeben können weh tun …

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